Workshop: Trauer-Feuer

…ein Ritual-Workshop zum Trauern in Gemeinschaft – damit Leichtigkeit, Schaffenskraft und Lebensfreude wieder fließen können!

Alle Trauer will irgendwann ausgedrückt werden

Wir alle erleiden in unserem Leben Schmerzhaftes: alltägliche Konflikte, Krankheiten, gescheiterte Träume, zerbrochene Beziehungen, geliebte Menschen die leiden oder sterben.

Als Menschen sind wir dazu fähig, negative Gefühle auszublenden. In Notsituationen kann dies unser Leben retten. Unterdrücken wir Emotionen wie Trauer oder Wut jedoch über einen längeren Zeitraum stumpft unsere gesamte Empfindungsfähigkeit dadurch ab und wir laufen sogar Gefahr, körperlich zu erkranken, depressiv zu werden oder anderen und uns selbst Verletzungen zuzufügen. Vor allem seien wir weniger in der Lage, positive Gefühle wie Liebe, Freude oder Dankbarkeit zu empfinden, sagt auch Christine Carter, Professorin der Universität in Berkeley, Kalifornien.

Das Geschenk der emotionalen Tränen

Emotionale Tränen enthalten laut dem Biochemiker und Tränen-Experten William Frey eine Vielzahl von Stoffen, die in der übrigen Augenflüssigkeit die wir bei Reizungen des Auges absondern, nicht enthalten sind. Beim Weinen werden über die Tränen Stress-Hormone ausgeschieden, genauso auch Toxine, die sich bei Stress im Körper anreichern. Andere Studien dokumentieren, dass das Weinen auch die Produktion von Endorphinen anregt, unserer körpereigenen Schmerz-Medizin und Glücks-Hormonen. Wir fühlen uns besser, wenn wir geweint haben – sogar auch wenn ein Problem weiterhin besteht.

Tiefes Loslassen erfahren

Um wieder mehr innere Lebendigkeit spüren zu können, brauchen wir einen geeigneten Rahmen, um unsere Trauer auszuleben und zu würdigen. Die Trauer über alle Verluste, die wir erlitten haben, über die Sehnsüchte, die wir nicht stillen konnten, über die Zerstörung unseres Planeten, über Tod oder Trennung oder darüber, dass wir uns allein fühlen und die Verbindung zur Natur und zu unseren Vorfahren nicht mehr spüren.

Ein guter Zeitpunkt

Das Jahresende bringt den oft grauen, nebligen November, in dem uns die Kahlheit der Bäume und der Erde bewusst machen, wie sich das Leben für den Winter in die “Unter-Welt” zurückzieht. Die Landschaft wird durchsichtiger, klarer. Viele Menschen kommen in dieser Zeit auch in Kontakt mit ihrer inneren Trauer, mit starken Gefühlen, die wir manchmal schon seit Jahrzehnten mit uns tragen. Die grauen Wochen vor Beginn der hoffnungsvollen Adventszeit führen uns in die Tiefen dieser Gefühle, manchmal bis zurück zu den Erfahrungen unserer Vorfahren.

Das Trauer-Feuer kann dir diese Reise erleichtern und dabei helfen, daraus eine heilsame und belebende Erfahrung zu machen, für einen gesunden Umgang mit kleinen und großen Schicksalsschlägen.

Diese besondere Form des Feuers lässt sich später auch zuhause durchführen und kann dir Raum für Innenschau, Besinnlichkeit oder ein Weiterverarbeiten der Trauer in deinem Leben schenken, für dich allein oder gemeinsam mit Freunden und Familie.

Beschreibung

Die Ursprünge unserer Arbeit

Kennenlernen durften wir das Trauern in Gemeinschaft durch die kraftvollen Rituale unserer Lehrerin Sobonfu Somé.

Mit ihrem Scheiden aus dieser Welt hat sie uns den Auftrag hinterlassen, eigene Wege des Trauerns in Gemeinschaft zu finden.

Neben einer tiefen Beschäftigung damit, was Trauern heißt und warum es so wichtig ist und tatsächlich so gut tun kann, haben wir die Erkenntnisse der modernen Psychologie und Trauma-Forschung verbunden mit der Inspiration durch die Tradition des “Heiligen Feuers”. Dieses wird u.a. beim Volk der Anishinabe im Norden der USA beispielsweise nach Todesfällen von der Gemeinschaft entzündet, wovon der Anishinabe Peacemaker Paul Raphael in mehreren Workshops bei Natur- und Wildnisschulen in Europa erzählte, in deren Rahmen er selbst hier Heilige Feuer Zeremonien durchführte.

Auch im mitteleuropäischen Kulturraum sind heilige Feuer in schweren Zeiten als “Not-Feuer” weithin bekannt und noch bis vor wenigen Jahrhunderten häufig entzündet worden, und bis sind Feuer-Rituale in vielen Regionen des deutschsprachigen Raumes als Brauchtum erhalten geblieben.

Inspiriert durch die Feuer-Traditionen früherer Zeiten und anderer Kulturen, sowie durch Überlieferungen von Trauer-und Begräbnis-Ritualen und Bräuchen von unterschiedlichen Orten der Erde entwickelte Elke Loepthien 2017 im Laufe mehrerer Monate einen ersten Prototyp für ein Trauer-Feuer-Ritual, das sie 2018 noch verfeinerte.

Das von ihr kreierte Trauer-Feuer ist damit in allen seinen Bestandteilen voll und ganz von und für westliche Menschen hier und heute mitten in Mitteleuropa geschaffen und kann somit auch authentisch von uns durchgeführt werden (statt durch kulturelle Aneignung unterdrückte Kulturen auszunutzen).

Der Workshop

Wir werden uns während dieses Workshops gemeinsam um ein Feuer versammeln und es mehrere Tage lang hüten.

Dabei hören wir Geschichten und hilfreiche Erkenntnisse aus relevanten Forschungsbereichen, es wird viel Gelegenheit für persönlichen Austausch geben, und die Möglichkeit, deine eigenen Geschichten zu teilen und zu erfahren, wie sie bezeugt werden.

Immer wieder wird es auch Raum für Stille geben, für den Klang der Trommeln, für Lieder die die Seele berühren.

Vor allem ist dies ein Raum für deine leise und für deine laute Trauer, für deine Trauer in all ihren Ausdrucksformen, die in ihrem eigenen Rhythmus, in Wellen und Wogen fließen kann.

Es ist ein Raum, indem du eine tiefe nährende Verbindung zu dir selbst erfahren kannst, wieder voll und ganz zu dir kommen kannst, in Verbundenheit mit einer unterstützenden Gemeinschaft.

Das Feuer nimmt unsere schmerzhaften Emotionen zu sich und verwandelt sie. Blockaden lösen sich, Energie kann wieder frei fließen und ein neuer Anfang wird möglich.

Das Feuer

Durch das älteste aller Elemente können wir uns mit dem Ursprung des Universums verbinden, mit allen unseren Vorfahren seit dem Anbeginn der Zeiten und mit den schöpferischen Kräften, die einstmals aus dem Nichts heraus Leben erschaffen haben.

Die Hitze und das gleißende Licht des brennenden Feuers, das Holzscheit für Holzscheit in Asche verwandelt, helfen uns, loszulassen, was uns genommen wurde, und darauf zu vertrauen, dass daraus neues Leben entstehen wird.

Es lädt uns ein, die Tränen, den Schmerz, aber auch die Geschichten, die Lieder, die Freude und die Dankbarkeit, und die Stille im Kreis miteinander zu teilen und uns gegenseitig in unserem Mensch-Sein zu bezeugen – in dem was schmerzhaft ist ebenso wie in der Freude, die wir erleben können.

Das Feuer führt uns durch die Trauer auch zur Leichtigkeit des Lebens, zum Genuss und zur Dankbarkeit und zur Freude am Sein, die wir miteinander feiern werden, denn dank des intensiven, befreienden Trauerns ist dieser Workshop gleichzeitig auch ein Fest der allhöchsten Lebensfreude.

Überblick

Wer kann teilnehmen?

Besonders heilsam wird das Ritual sich auswirken, wenn du vor Kurzem einen Verlust erlitten hast, oder dich aus einem anderen Grund in einer Phase der Trauer oder unbestimmten Traurigkeit, Einsamkeit oder Schwere befindest.

Verluste können sein:

  • Todesfälle
  • schlimme Krankheitsdiagnosen
  • verlustreiche Katastrophen (bspw. Wohnungsbrand)
  • Trennung und Umzug
  • traumatische Erlebnissen, auch in der Vergangenheit oder in der Ahnenlinie (bspw. Körperverletzung, Vergewaltigung, Raubüberfälle)
  • politische oder gesellschaftliche Katastrophen (Klimakrise, Artensterben, Umweltzerstörung usw.)

Der Ritual-Workshop eignet sich außerdem für alle Menschen, die ihr Gefühlsleben besser kennenlernen und vertiefen wollen oder die als Therapeuten, Pädagogen, Ärzte, Sozialarbeiter, in Dienstleistungsberufen oder in der Wirtschaft viel mit anderen Menschen zu tun haben, sowie Menschen die beruflich oder privat eine enge Verbindung zur Natur haben, und umso mehr unter den Verlusten des Lebenssystems Erde leiden.

Kinder herzlich willkommen

Dieser Workshop ist familienfreundlich und Kinder bis 16 Jahre können kostenlos teilnehmen. Für die ca. 4-13jährigen wird tagsüber eine Kinderbetreuung angeboten, sie sind aber auch willkommen, bei uns Erwachsenen mit dabei zu sein.

Auch die Preise für Unterkunft und Verpflegung sind im Schloss Tempelhof nach Alter angepasst und stark reduziert.

Bitte melde dich wenn du mit Kindern kommen möchtest möglichst frühzeitig an, bestenfalls mindestens vier Wochen vorher, und teile uns in  bei deiner Anmeldung auch Namen und Alter der Kinder mit, damit wir eine entsprechende Kinderbetreuung bereitstellen können.

Über das Trauern – Interview

Das Workshop-Team

Elke Loepthien

Elke ist Gründerin von Circlewise und sie hat die Verbindungskultur-Konzepte entwickelt, die das Herz vom Circlewise Institut bilden. Als eine Art “Kultur-Ingenieurin” verknüpft sie die Erkenntnisse moderner Lebenswissenschaften mit von naturverbunden Kulturen inspirierter Weltsicht und erforscht, entwickelt und praktiziert seit über 15 Jahren die Kunst des Verbindungswebens, in deren vielen unterschiedlichen Facetten.

Ein großer Teil ihres Lebenswerks findet sich als Inhalte und Methoden in unseren Weiterbildungen und unserem Ansatz für Trauerarbeit wieder – ein ganzes Paket an Lern-Erlebnissen für WegbereiterInnen von Verbindungsfördernder Gesellschaftsgestaltung.

Wichtiger Bestandteil ihrer eigenen Ausbildung war ein Training in „Cultural Mentoring & Regenerative Community Design“ am Regenerative Design Institute und 8 Shields Institute in Nordkalifornien und bei der internationalen Gaia University

Elke hatte das große Glück, während der letzten Jahrzehnte neben ihrer intensiven Beschäftigung mit den Erkenntnissen der modernen Psychologie und Sozialforschung (beispielsweise durch das Greater Good Science Center der Universität in Berkeley, Kalifornien), immer wieder auch in intensivem Kontakt von Menschen wie Sobonfu Somé lernen zu können, die selbst in naturverbundenen und gemeinschaftsorientierten Kulturen aufgewachsen oder ausgebildet worden sind.

So kann sie eine Brücke bauen: Von den Geschichten ursprünglicher Dorf-oder Stammes-Kultur hin zu den von ihr selbst entwickelten Ansätzen für eine zeitgemäße, authentische Gemeinschaftskultur, die wir als Menschen hier und heute umsetzen und lebendig machen können.

Elke ist Diplom Ingenieurin für Landschaftsnutzung und Naturschutz (FH), psychologische Beraterin, hat mehrere Jahre lang als Beraterin und Coachin für Gaia University International gearbeitetwo sie Studierende aus aller Welt dabei begleitete, deren individuellen Lernwege zu entdecken und zu gestalten, und sie war ehrenamtlich für das 8 Shields Institute tätig.

Seit 2010 leitet und begleitet sie Teams für Workshops, (Großgruppen-)Events und Weiterbildungen im In- und Ausland, ist als Coachin/Beraterin für Team-LeiterInnen in Unternehmen, für Gemeinden und gemeinnützige Organisationen tätig und lehrt ihre Konzepte bei den Veranstaltungen vom Circlewise Institut.

Zusammen mit Aaron Gerwert leitet Elke die Circlewise GbR und sie ist Mitgründerin vom Verbindungskultur e.V. (gemeinsam mit Circlewise AbsolventInnen).

Aaron Gerwert

Aaron ist Naturverbindungsmentor und Mystiker. Er war Gründer und bis 2016 Leiter der Wildnisschule Reineke, wo er unter anderem Waldläufer-Banden und Familien-Camps konzipierte und begleitete.

Eine schwere Krankheit führte ihn in die Tiefen des Mensch-Seins, und damit auf eine intensive Spurensuche und Beschäftigung mit zahlreichen ganzheitlichen Heilmethoden und Entwicklungs-Wegen für Seele, Geist und Körper.

Aaron ist Vater von zwei Kindern.

Er war mehrere Jahre als Begleiter in einer Wohngruppe von Menschen mit besonderen Bedürfnissen tätig. Er ist Absolvent des Internationalen Permaculture Design Certificate Courses und des Circlewise Leadership Trainings, und Co-Leiter von Circlewise.

Mit Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen und herzlichem Humor begleitet er Menschen durch Wachstumsprozesse.  Seine Musik, die aus seiner tiefen, authentischen Verbindung mit der Natur erwächst, berührt, inspiriert und begeistert.

Und die Gemeinschaft!

Außerdem sind viele andere Helfende dabei, deren Erfahrung im Erleben und Begleiten von Trauer-Ritualen mit und ohne Feuer, deren Engagement und Einsatz unseren Rahmen so sicher, geborgen und nährend machen!

Termin & Preise

Termin

Beginn: Mittwoch, 10.02.2021 – 18:30 Uhr, mit dem Abendessen

Ende: Sonntag, 14.02.2021 14:00 Uhr, nach dem Mittagessen

Preise

Kursgebühr: 370 € regulär, 290 € für Menschen, die bereits an einem Trauer-Feuer (oder Trauerritual mit Sobonfu Somé) teilgenommen haben.

zuzüglich Unterkunft und Verpflegung im Tempelhof

Wenn du unbedingt teilnehmen willst, aber vor einer finanziellen Hürde stehst, melde dich bei uns – wir finden einen Weg!

In den vergangenen Jahren war unser Trauer-Ritual immer ausgebucht – eine frühzeitige Anmeldung wird daher empfohlen!

Veranstaltungsort

Veranstaltungsort

Der Workshop findet im Schloss Tempelhof statt, einem Gemeinschaftsprojekt in der schönen hügeligen Landschaft in der Nähe von Crailsheim.

Tempelhof ist Geburtsort einer ganzen Reihe von Projekten, u.a. dem ersten in Deutschland gebauten Earthship. In der Seminarküche werden wir vorwiegend mit vor Ort durch die Gemeinschaft angebautem und zubereitetem biologischem Essen verköstigt werden.

Adresse

Tempelhof 3, 74594 Kressberg, Hier findest du eine Karte…

Anmeldung

Vorerst können wir keine Anmeldungen für das Trauer-Feuer mehr annehmen, denn aufgrund der aktuellen Bestimmungen in Kombination mit den vorhandenen Räumlichkeiten kann in diesem Jahr nur eine kleinere Anzahl von Menschen daran teilnehmen.

Sobald sich daran etwas ändert und noch mehr Teilnehmerplätze möglich werden, lassen wir es euch wissen.

Herzliche Grüße!