Beiträge

…aufgeschrieben von Maya Mahn.

Gerade empfinde ich fast jede Mahlzeit als ekstatisch: Die Lebens-Kräfte dieses Landes und seiner Wesen zergehen exquisit auf meiner Zunge und strömen oxytocin-gefüllt hinunter in meinen Bauch, bis mir von innen her ganz warm und wohlig wird.

Alles, was ich zur Zeit esse, stammt aus meiner unmittelbaren Umgebung, aus der Landschaft, zu der ich gehöre. Ich fühle mich genährt, auf einer viel tieferen Ebene als es ein bloß voller Bauch tut. Ich bin verwoben mit dem Netz des Lebens. Ich weiß um die Freuden der Bauern, um das Herzblut der Gärtnerin. Ich weiß, dass heute vielleicht der Giersch hinter dem Haus schon genügend Blättchen getrieben hat, dass ich mir ein paar nehmen kann. Ich weiß, dass die kleinen Teller für die Ahnen, die ich an das Land zurück schenke, gleich schon verzehrt sein werden und das Gewebe weiter nähren. Das sozial-ökologische Gewebe trägt mich und ich bin Teil seiner Stabilität.

Schon vor einigen Jahren habe ich mich während der Fastenzeit komplett lokal ernährt, als “Loca-vore” sozusagen, oder auf deutsch vielleicht einfach: Lokal-Köstler*in. Das hat mir sehr viel Freude bereitet – nie zuvor habe ich über eine so lange Zeit bei jeder einzelnen Mahlzeit eine solch tiefe Dankbarkeit gespürt, die mich ganz warm von innen gestreichelt hat: Mein Zuhause ernährt mich wirklich! Jedes Vitamin meint wirklich mich!

Ich habe mich sehr getragen gefühlt vom Land, wunderschöne Kontakte zu “meinen” Produzenten aufgebaut und mich tiefer mit den Frühlingskräutern verbunden. Ich habe tiefere Wurzeln schlagen können an meinem Ort und meiner lokalen Gemeinschaft. Und gerade sind wir alle mehr zuhause, wie viel Sinn macht es dann, die Wurzeln dort zu unterstützen?

“Jeder Bissen den wir essen ist die Erde und ihre Geschichte,
die unsere Zellen und unser Blut wird.”

– Vandana Shiva

Gleichzeitig passiert auch ganz Gegensätzliches – wir leben in Pandemie, Klimakrise und sozialer Spaltung. Die Zeiten sind zermürbend, anstrengend, auch beängstigend. Oft fühle ich mich allein, getrennt. Umso mehr braucht mein Genährt Sein Aufmerksamkeit und Zuwendung. Wenn ich in den Tiefen genährt und ganz ausgefüllt bin, kann ein wenig mehr davon überfließen zu anderen Wesen. Mein Genährt Sein braucht starke Wurzeln, die auch und gerade in dieser Verunsicherung tragen.

“Was wir mit der Leere machen, sind all die ‘Ismen’ (…). Patriotismus, Nationalismus, Kapitalismus, Rassismus. All diese ‘Ismen’ sind Versuche, die Leere mit etwas zu füllen, weil die Leere unerträglich ist. Wir können die Leere nicht ertragen, also reparieren wir an ihr herum.

Wir vernachlässigen dabei das, was ich als primäre Bedürfnisbefriedigung bezeichne, nämlich die tief sättigenden Schlüssel-Erfahrungen, die sich im Laufe unseres langen evolutionären Prozesses entwickelt haben: Freundschaft und Rituale, gemeinsames Singen, gemeinsame Mahlzeiten, das Zusammensein unter den Sternen, das Hören von Geschichten am nächtlichen Feuer, das Sammeln von Holz, gemeinsames Trauern, gemeinsames Feiern. Dies alles ermöglicht für uns die Befriedigung primärer Bedürfnisse, und fast nichts davon existiert mehr.

Wir stützen uns kulturell stattdessen auf sekundäre Bedürfnisbefriedigungs-Versuche, wenn uns suggeriert wird, es wäre hilfreich, nach Macht, Stärke, Reichtum, Privilegien, Hierarchie, Rang, usw. zu streben.

Auf der persönlichen Ebene sind Süchte aller Art Versuche, etwas in dieses Loch im Kern unseres Lebens zu stopfen, weil die Leere sonst unerträglich ist. Doch wie du weisst, kann man als Süchtiger nie genug von dem bekommen, was man nicht braucht.”
– Francis Weller

 

Wie du diese grundlegenden Lebens-Fragen für dich beantwortest, macht nicht nur für dich persönlich einen Unterschied, sondern auch für die Welt im Großen und Ganzen:

Was nährt dich wirklich?

Wie kannst du gut für dich sorgen, auch wenn die Welt sich wandelt?

Wie kann dein Getragensein vom Netz des Lebens und dein Halten und Unterstützen dieses Netzes noch lebendiger werden?

Sei eingeladen zum “Genährt Sein in Wandelnden Zeiten”, wo wir in einem warmen und nährenden Raum in Zoomlandia (das bei uns allen zu Hause liegt), dem auf die Spur gehen, was es für uns braucht, um uns genährt zu fühlen.

Wir werden unsere Gestaltungskraft und -kompetenz entwickeln und uns miteinander verbinden – und so gegenseitig, miteinander, gleichzeitig unsere Wurzeln beim wachsen unterstützen. Wenn du magst, kannst du hier mehr dazu lesen und dich anmelden: Genährt Sein in Wandelnden Zeiten

Amélie Mehru, die im letzten Jahr in unserem Kurs ihrem Genährt Sein auf der Spur war, hat dabei ein Lied gefunden, von dem du hier kosten kannst: 

Es ist nichts mehr so, wie es war.

Mögen wir all das Neue, das da kommt, aus unserem genährten Selbst heraus mit-gestalten!

 

Eine Meditation, die dich vielleicht dabei unterstützen kann, auch angesichts von Tumult, Chaos und viel Unsicherheit und Verwirrung, gut geerdet und zentriert Entscheidungen zu treffen und dich auf eine lebensförderliche Weise zu verhalten. Die Bäume können helfen!

Ein Ritual zur Unterstützung der Erde und all ihrer Wesen 

Sei eingeladen zum Abschlussritual der AbsolventInnen
unserer Ritualausbildung 2017-19
am 08. November 2019,
Lindenhof bei Tuttlingen
Zweieinhalb Jahre sind diese Menschen durch dick und dünn miteinander gegangen, haben so einiges Wundersames erlebt und viele innewohnende Schätze gehoben. Es war mir eine große Ehre sie dabei begleiten und bezeugen zu dürfen, und ich frohlocke sehr darauf, ihr heranreifendes “Meisterstück” mit euch teilen zu können.
Sie schreiben:
“In unserer Kultur ist unsere Beziehung zur Erde und zum Leben aus der Balance geraten und wir sind mit Zerstörung unvorstellbaren Ausmaßes konfrontiert.
Wir möchten mit diesem Ritual unsere Beziehung zur Erde nähren und dadurch zu einer Gesundung beitragen.
Im Lebensnetz gibt es keine Hierarchien, da sind alle Lebewesen an ihrem Platz. Wir Menschen sind nicht nur Zerstörende oder Erschaffende, wir sind Teil der Erde, genauso wie jeder Baum und Eisbär.

Wir sind das Leben, was sich selbst heilt.
Die herbstliche Jahreszeit lädt uns ein zu überlegen, was wir wirklich behalten wollen, was wir pflegen und mit ins neue Jahr nehmen möchten.
Was dient uns, der Erde mit all ihren Wesen und der Zukunft?
Wir wollen spüren, wie wir als Mensch aus einem tiefen Respekt heraus zur Heilung und Unterstützung aller Wesen beitragen können. Wir möchten uns selbst als Teil des Lebensnetzes fühlen und der Erde etwas schenken, damit wieder Balance und Harmonie entstehen können.

Der eigene Platz ist die kraftvollste Position von der aus ich etwas schenken kann. Lasst uns von diesem Platz aus danken, den Heilungs- und Wandlungsprozess der Erde unterstützen, bekräftigen und unseren Teil beitragen.
Wir möchten Dich mit diesem Ritual einladen, Deinen Teil sichtbar zu machen, Deine Beziehung zur Erde zu stärken, Deinen lebensdienlichen Weg zu bekräftigen und ihn der Erde zu widmen.
Erlausche wie die Erde sich die Beziehung zwischen Dir und ihr vorstellt und wie Ihr in Einigkeit Eure Verbindung gestalten wollt. Verschenke Deine Samen an die Erde, damit sie im nächsten Jahr voller Kraft aufgehen und die irdenen Kräfte unterstützen können.”

An dem Ritual, das unsere Absolventen-Gruppe für euch plant, könnt ihr kostenlos teilnehmen (Anreise ist bereits am Vorabend möglich, Übernachtung in Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern sind je nach Verfügbarkeit am Lindenhof möglich).

Das Abschlussritual ist eine gute Gelegenheit, in die Ritualausbildung zu schnuppern und eine der vielen süßen Früchte zu kosten, die daraus bereits entstanden sind und weiter entstehen werden.
Ich freue mich, das gemeinsam mit euch zu erleben!

Anmeldung und weitere Informationen…

 

Am Freitag den 18. Juni ist unser geliebter Lehrer, Ältester, Freund und “Opa” Mala Spotted Eagle nach langer schwerer Krankheit von uns gegangen.
Seine große Liebe zum Leben, zur ganzen Schöpfung, seine Freundlichkeit, Sanftheit und Herzensgüte, sein achtsamer und respektvoller, bejahender Umgang mit der Vielfalt in uns und um uns, mit Freud und Leid im Leben, und mit den vielen Herausforderungen und Beschwerlichkeiten seines persönlichen Lebenswegs, haben unsere Arbeit von Anfang an inspiriert und stark geprägt.

Danke Mala für all dein Sein und Wirken. Wir wünschen dir eine sanfte Reise ins Land deiner Ahnen. Abashi!

Der Februar ist die Zeit der Vorstellungskraft. Vor dem Hintergrund der noch kahlen, vom langen Winter erschöpften Landschaft voller Weiß und Grau leuchten die zartesten Grün- und Rottöne köstlich hervor. Die meisten Pflanzen verbergen ihre neu erwachende Lebenskraft noch geschützt vor der Kälte im Schoß der Erde oder unter den erst ganz allmählich anschwellenden Knospenschuppen an den ansonsten noch unscheinbaren dürren Trieben. Und die frühesten Frühlingsboten, die feingliedrigen Schneeglöckchen, verstecken sich ganz nah am Erdboden, zwischen zerfallendem braunen Laub.

Die Leere nimmt sich den meisten Raum in dieser Jahreszeit, wo das Alte vorbei ist und das Neue immer noch nicht angefangen hat. Dies ist von allen Monaten die Jahreszeit, wo die meisten Seelen unsere Welt wieder verlassen, nicht in eine neues Lebensjahr aufbrechen, sondern umziehen ins Land der Ahnen. Umso schmerzlicher erleben die die hier das irdische Leben weiterleben den Verlust der Geliebten, in dieser scheinbar so leeren, kalten Zeit.

Für uns, die hier bleiben, stellen sich Fragen: Was wird dieses neue Jahr bringen? Was wollen wir erschaffen? Wie wollen wir das Leben gestalten?

Der Februar lädt uns ein, zu lauschen, und im weiten leeren Raum zu spüren, zu sehen oder zu hören, was möglich ist. Die Visionen für das neue Jahr zeigen sich wie Träume, manchmal eindrucksvoll und klar, manchmal flüchtig und zart, und wollen gern berührt und festgehalten werden, denn wie Träume die nicht erzählt werden, verblassen sie schnell, besonders wenn im März das volle Leben im Außen wieder losgeht und der stille, leere Raum von Geschäftigkeit erfüllt wird.

Der Februar ist von allen Jahreszeiten die Zeit, wo wir Vision am leichtesten und deutlichsten empfangen können und unsere Vorstellungskraft für all das Gute was sein kann, wie einen Muskel am stärksten trainieren und wachsen lassen können.

Was ist dein Bild von einem guten Leben als Menschen auf der Erde? Wie hört es sich für dich an? Wie fühlst und empfindest du es? Was genau siehst du vor deinem inneren Auge, wenn alles was gut und heilsam wäre möglich sein könnte? 

Diese Bilder sind lebenswichtig, nicht nur für dich persönlich, sondern für die Menschheit als Ganzes.

Der US-amerikanische Mythenforscher Michael Meade schreibt über die Bedeutung der menschlichen Vorstellungskraft für unser Weiterleben als Spezies auf der Erde:

“Leben in unserer Zeit heute bedeutet, sich inmitten eines Mythos zu befinden. Wir stehen vor all den massiven Problemen und unmöglich zu lösenden Aufgaben, unter denen unsere moderne Welt gegenwärtig leidet. Es ist eine außergewöhnliche Zeit, in der sowohl die Natur als auch die Kultur alles an Heilung und schöpferischer Fürsorge gebrauchen können, derer wir als Menschen fähig sind. 
Immer stärker scheint es, dass uns die Zeit wegläuft, und dass was auch immer noch möglich ist, unverzüglich geschehen muss. Das Bedürfnis danach, dass sich jemand der drängenden Herausforderungen wahrhaftig annimmt, und eine große Dringlichkeit und Eile sind zu spüren, damit alles was noch zu tun bleibt, jetzt wirklich sofort getan wird. 
Die alten Mythen jedoch ermöglichen uns eine andere Sichtweise auf unsere Situation. Wenn die Zeit uns wegläuft und niemand mehr Zeit finden kann, dann ist es eben nicht einfach Zeit die fehlt, sondern der Kontakt mit der Ewigkeit. 
Wie alles andere auch, entspringt die Zeit in der Ewigkeit. Und wenn wir sie nicht mehr finden können, ist die Ewigkeit der richtige Ort, um nach ihr zu suchen. Das “Ende der Zeit” führt uns zurück zu den Wurzeln der Ewigkeit, wo wir auch die niemals versiegende Quelle wahrhaftiger Inspiration, großartiger Ideen und bedeutsamer Visionen finden. 
Leben in unserer Zeit heute bedeutet, inmitten eines gewaltigen Auflösungsprozesses gefangen zu sein, in dem wir uns Seite an Seite mit vielen anderen losen Fäden der Schöpfung wiederfinden. Es bedeutet gleichzeitig auch, dass wir ganz nahe daran sind, eine neue Gestalt und eine erneuerte Art und Weise auf die Welt zu schauen zu erfahren.
Die alten Weisen sagen, dass die Höhle des Wissens in den Tiefen der menschlichen Seele gefunden werden kann, dass jede Seele durchwirkt mit inneren Qualitäten ist, deren Bestimmung es ist, in die Welt hineingewebt und ein Teil des Schöpfungsgewands zu werden. Sie sagen, dass die Gaben jeder Seele gerade im Wiederkehren der dunklen Zeiten wichtiger werden. 
So seltsam es erscheinen mag, bildet doch das Bewusstsein des einzelnen Menschen ein Zugewicht auf der Waage von Zeit und Ewigkeit. Die im eigenen Leben versteckten Bedeutungen auszuleben hilft, das Gewicht der Welt im Gleichgewicht zu halten. Jedes Leben ist dabei um einen unsichtbaren, ewigen Faden gewickelt, und jeder Lebensfaden ist eine bedeutsame Geschichte, die aus den Mauern der Zeit ausbrechen will, um der Schöpfung zu helfen. Die Seele ist letztendlich der Sitz der Vorstellungskraft, der Raum in dem unser uraltes Erbe der archetypischen Formen und der Ressourcen unserer Ahnen lebendig sind. 
Vorstellungskraft ist für uns ein essentielles Lebensorgan, und beständig denken wir uns die Welt neu und nehmen beständig teil in ihrer Erschaffung, ihrer Zerstörung und ihrer Erneuerung. 
Wenn es scheint, dass das Ende der Zeit naht, sind es die zeitlosen Dinge, die greifbar werden, und bereit dafür sind, die Welt Moment für Moment neu zu erschaffen. Hinter allem Aufruhr und aller Verwirrung dieser Welt, warten die Vorstellungskraft und der lebendige Geist des Ewigen in der Anderswelt darauf, wieder gefunden zu werden. “

aus Michael Meade, “Why the World Doesn’t End”

Der Februar schenkt die Leere, die es braucht, wieder in Verbindung mit unserer Vorstellungskraft zu kommen – damit das Leben weitergehen kann.
 

Wir sind voller Trauer, dass unsere geschätzte und geliebte Lehrerin, Beraterin, Älteste und Freundin Sobonfu Somé am 14. Januar nach langer Krankheit in Burkina Faso aus dem Leben geschieden ist.
Wir danken ihr für die Jahre in denen sie uns durch ihre Workshops und beim Weiterentwickeln unserer Arbeit begleitet hat. Sobonfu hat vor allem durch ihre Bücher weltweit zig Tausende von Menschen mit ihren Geschichten, den Weisheiten ihrer Kultur und den intensiven Ritualen berührt, inspiriert und mit Zuversicht erfüllt. Sie wurde als die wohl wichtigste weibliche Stimme afrikanischer Spiritualität in der westlichen Welt anerkannt.
Sobonfu, deren Name “Hüterin der Rituale” bedeutete, schaffte es, die Prinzipien der Rituale ihrer Kultur, der Dagara in West-Afrika, in Ausdrucksformen zu übersetzen, die den Menschen und der Kultur hier vor Ort entsprachen.
Von 2014-16 leitete sie eine erstmals in Europa durchgeführte Ausbildung in naturverbundener Ritualarbeit für Circlewise und die Wildnisschule Wildeshausen. Sobonfu konnte dadurch zuletzt einen Teil ihres Wissens und auch ihrer Verantwortung an eine Gruppe von Lernenden hier in Deutschland weiter geben, die im Rahmen der Ausbildung auch eine Initiation in diese Form der Ritualarbeit absolvierten.
Zum Abschluss der Ausbildung Ende November 2016 teilte sie mit uns folgende Worte:

16142722_10208432931797732_3534587087708493404_n

„Vielleicht seid ihr euch nicht sicher, ob ihr nach nur diesen drei Jahren in der Lage sein werdet, da draußen Rituale zu leiten. Aber ich kann euch sagen, was auch immer der Geist ist, mit dem ihr euch verbunden habt – ihr seid auf einer heißen Spur. Seid ihr bereit, weiter auf ihn zu achten? Ihn euch führen zu lassen? (…) Ein neuer Tag ist möglich. Eine neue Art des Seins ist möglich. Eine neue Art, zusammenzukommen ist möglich. Eine neue Art Wunder auf den Weg zu bringen ist möglich. Was auch immer der Geist ist, der diese Möglichkeiten für euch hier geschenkt hat – ich werde ihm für immer dankbar sein.“

Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, wie wir mit allem, was wir von Sobonfu gelernt haben, auf eine gute Weise weitergehen und es auch weitergeben wollen. Die nächsten Wochen und Monate werden mehr Klarheit hierzu schenken und einen neuen Weg eröffnen.
sobonfu_elkeWir vermissen dich Sobonfu – deine Weisheit, deinen Humor, deine Entschlossenheit, deine tiefe und tätige Liebe zu den Menschen, besonders den Kindern, deine Ausdauer und die Kraft deiner Verbindung zur geistigen Welt. Du hast für uns einen Anker gesetzt – in ein gesundes, gemeinschaftliches Miteinander aller Generationen, das auch hier und heute möglich ist. Du hast uns Türen zur Verbindung mit der geistigen Welt eröffnet, zu der wir alle als Menschen einen ganz individuellen, persönlichen Zugang haben, und die uns durch deine Arbeit vertrauter geworden ist, als eine Quelle für Kraft und Weisheit in einer Zeit wo dies so dringend gebraucht scheint.
Hab Dank für alles – ye barka, ye barka, ye barka.

16113440_10154346195132852_2905320473707802145_o

Ausbildungsgruppe in Naturverbundener Ritualarbeit 2014-2016

Möchtest du mehr erfahren?
Hier geht’s zum Nachruf in der Zeitschrift Oya 44/2017, geschrieben von Geseko v. Lüpke und Elke Loepthien.

Persönlicher Nachruf von Elke:

My dearest Sobonfu,
Thank you for being my teacher, auntie, mother, sister and friend all at the same time. In your leaving, I see how my life has changed in countless ways because of you.
Your way of seeing and connecting with the children helped me to become a real mother for my son, as well as for my own inner child, and for the children around us. Always you were so full of love, so generous with them. Through your eyes and translation you helped us to read their ways of communicating and to truly respond. Your deep appreciation and love for the children helped me to put them back into the center, giving me a taste of what our responsibilities as adults truly are towards the children around us, and to all the children, even to the children within, so the wounds of the past could find healing. My son is thankful for you, for the many ways you treated him with so much loving care, and because he knows how much better a mother I am because of you.
I loved to witness how you touched hundreds of people in our community. How your presence and care opened up hearts and whenever you hadn’t been here for a while, I so longed for you to come soon, so the emergence of life force could speed up again, cause I could count on that to happen once you were just here with us. I saw so many life changing conversations that really only took a few minutes of your full attention to happen, and the concentric rings of these conversations within the community.
I feel eternally grateful for all the different rituals that you have shared with us, with so much patience. You were such a skilled teacher for us, always making sure to throw in bits and pieces that we had not heard yet, to widen our experience, to deepen our understanding, to put us on the edge, so we had to grow.
I remember how you brushed off my attempt to write down a complicated smudging routine for the grief ritual, telling me I would just be fooling myself, that I need to embody it or I could forget it, rolling your eyes with a big smile.
I will never forget the magic and power of your blessings. Right when we started our 3year training you blessed each person to welcome them into their element. And even though many of them you had never seen before, you spoke right to their gift, right to that most elusive, special thing about them. I went along, holding the jar with ashes for you, and almost everyone got teary eyed immediately, such was the gentle power of your words.
And how you were empowering women as well as men in our community! You could encourage and then kick butt if needed, for us to step into our responsibility for each other, to acknowledge and honor our differences, laugh together, and to be there for the children and for the world.
The vastness of your spirit that needed to travel all over this world, like a special kind of food, and that was able to nourish all these authentic and deep connections to so many people. The many nights you spent here with hardly any sleep at all, instead skyping with friends and family from all over, consoling, connecting, caring.
The sharpness of your ability to see through anyone’s fog and storm into the core of issues, into the disappointment underneath even the harmful actions, into the longing underneath even the hatred, and your ability to connect with that core within an instant, to make people feel seen and heard and welcome. Even with people who were treating you outrightly badly, you could see behind their actions and I never heard you say a harmful or discrediting word towards even the most difficult relationships in your life.
You helped me to make the fullest sense of my own gifts, as well as the ones of everyone else in the community. You showed me and taught me how to not shrink back from power, not from my own, nor any other. You made me accountable to hold my ground as a facilitator and leader and to ground myself and connect to spirit in a split second if need be. You guided me so well Sobonfu. You could console me, hold me, love me completely and in other moments just smack me, right when it was needed, and helpful, and then we’ld laugh about it afterwards.
You role modeled to all of us, how to walk with the intense power that we all felt working on us during the rituals, and to never misuse it for your own purposes.
I don’t remember you ever buying anything for yourself. Judith and I (and I know people all over) tried to keep your gear from the continuous danger of falling apart completely, by renewing one thing after the other. All the abundance that your work created you spent for the children, so selflessly.
I remember the complete delight you took in good food, as well as in heartfelt music and how you never took any bit of the care for granted that people around you offered.
When I had invited you over in the beginning, not really knowing you, we spent a few days tiptoeing around your room, trying to be really quiet. How quickly our places here then got transformed into “Little Burkina”, lively, hot and noise as can be, 25 people in one double bed room for our team meetings, where you were our guest of honor.
I remember our timeless days in between the programs, were we wouldn’t even leave the house and have breakfast at 4 in the afternoon. How hard we sometimes laughed. How we were all cuddled up on the couch, and we would massage the whole world inside and around us with layers upon layers of gently flowing conversations, taking turns with eruptions of hysterical laughter and wildness of spirit and mind, with you, Judith and I and elder Julie.
The hours of the two of us singing your favorite songs together, songs of friendship, care and love.
There was no human condition that you didn’t know or that you wouldn’t accept.
You always patiently listened to even my bullshit, kindly and with humor acknowledged it as bullshit and then readily listened to more of it. Whenever you set me straight, you gave me so much reassurance with it, calming my insecurities, so I could swallow even the bitter medicine. You made me stand up for my own dignity when I felt like nothing more than a pile of dust on the ground, and in your arms I could sob like a baby, because you just knew me so well.
I remember that lean and incredibly strong body of yours, trained by the years of carrying the increasing weight of your sickness, and carrying it with so much grace. In my prayers I saw you dancing wildly, freed from all burdens.
Oh how hard I prayed for your health and happiness, and how scared I felt at times about your sickness. Never have I seen someone who had to persevere so much pain and hardship, over years and years, and yet stayed so lighthearted and full of love and full of mischief at the same time. I remember the long mornings of preparing yourself to get up, gathering your strength, getting ready for another day. The patience and strength you were able to muster for even just one walk over to the bathroom. I remember how we got our first wheelchair here for you and you just wouldn’t stop walking on your own. How much humor you always found to answer the inquisitive questions of the airport personnel. How earnestly you talked to the concerned children, trying to explain the unexplainable. How you finally did surrender to the wheelchair, and to the couch in the seminar room that we hauled in on a trailer, to all the big and small little helpers that enabled you continue your work despite the pain. I remember how angry I got when someone would try to pull more time and energy from you than what you were already offering, and the quietness that hung over your room when you were exhausted. How you would share your fears and worries with us and how hard you were working for your own healing, in all the different and sometimes mysterious ways you and your elders found.
In the seven years that I’ve known you, I never saw you healthy Sobonfu. But once I saw you dancing, for just a few moments, and that image will always stay with me.
I remember our last blessing circle for you, before the village training ended. I see the tears rolling down your cheeks and the love in your eyes, for each one of us. And our blessings for the healing to come, for joy, for salvation, for that you may experience the sweetness of being completely whole and healthy again.
I so wished there would have been another way out of your sickness than leaving to the other side of the veil. But I do feel happy, that your suffering has come to an end.
I remember how you locked eyes with me so intently, like tying a life saving rope, before you sent me into the scary shrine to get something, when you weren’t able to do it yourself anymore last fall. „Stay connected with me“ – you said. I said I will.
And I will.
I love you Sobonfu. My house, my memories, my stories, my songs are all full of you, your advice, your laughter, your bad-assness and your love. And of our shared dreams for the future, that will be so different now.
You taught us that every death of a loved one is a ticket for the living. There are so many of us, who you gifted with tickets and I am marveling at where the journey will take us.
I promise to use mine well and to live my life in a way that will make you smile. I promise to call on you when I need you, to feed you the best of my food and to giggle with you whenever the opportunity arises.
Just like you said on your last message on my voicemail in December: “I love you and we’ll be in touch.”

“Wir sind nur dann wirklich lebendig, wenn unser Herz sich  unserer Schätze bewusst ist.” 
Thornton Wilder

Wie Klettverschluss und Teflon

In unserer Wahrnehmung der Welt ist eine interessante Dynamik festzustellen, die vom Psychologen Rick Hanson beschrieben wurde:
“Das menschliche Gehirn sucht, registriert, verwahrt, erinnert und reagiert vor allem auf unerfreuliche Erfahrungen. Es verhält sich wie ein Klettstreifen für negative und wie Teflon für positive Erlebnisse.”
Aus diesem Grund haben wir eine natürliche Neigung dazu, ein in der Tiefe pessimistisches und düsteres Lebensgefühl zu entwickeln – sogar wenn wir viel mehr positive als negative Erlebnisse haben.
Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt, diese Düsterkeit auch in unsere Zukunft zu projizieren, vielleicht ein Grund für die immer wiederkehrenden Prophezeiungen für den Weltuntergang.

Der 5/1-Faktor 

Der Paarpsychologe John Gottman stellte fest, dass in gelingenden Beziehungen ein Verhältnis von 5/1 besteht zwischen Positivem und Negativem: Nur einmal Kritik auf fünfmal Wertschätzung, einmal Ärger auf fünfmal Freude, eine Klage auf fünf Komplimente. Dasselbe gilt auch für Teams und Organisationen.
Es braucht also viel mehr Gutes als Negatives, damit wir glücklich sein können und dieses Gute will auch wahrgenommen werden.
Wie kannst du dem Guten in deinem persönlichen Leben, in Familie und Gemeinschaft mehr Raum geben? Durch Danken!
Aber kann Danken wirklich Glücklichkeit hervorbringen?
Dankbarkeit ist ein Schlüssel
Das kann es! Vor einigen Jahren veröffentlichten die Wissenschaftler McCullough und Emmons ein ganzes Buch darüber.
Sie fanden heraus, dass Dankbarkeit als Schlüsselelement in vielen Kulturen der Welt angesehen wurde und bewiesen in einer Studie, dass tägliches Üben von Danksagungen die Zufriedenheit und Glücklichkeit im Leben eines Menschen erheblich steigern.

Dankbarkeit als Baustein für Kultur

Regelmäßiges Danken verändert deine gesamte Wahrnehmung zugunsten der kleinen und großen Geschenke im Leben.
Die menschliche Grundtendenz, mehr auf negative Erfahrungen zu achten, mag wichtig für unser physisches Überleben sein.
Das kulturelle Element des Dankens scheint dagegen eine wichtige Rolle für unser geistiges und spirituelles Überleben zu spielen. Ganz sicher ist es wichtig für unsere Fähigkeit, ein gutes und befriedigendes Leben für uns selbst und unsere Lieben zu schaffen. 

 

 

Weitergeben und wachsen lassen

Zuhause erzählen mein 6jähriger Sohn und ich einander abends beim Ins-Bett-Bringen, wofür wir heute dankbar sind. Kinder finden es toll, ihre Dankbarkeit für Sonnenschein, Tierbegegnungen, Feuerwehrautos oder helfende Nachbarn auszusprechen und auf diese Weise die Geschichte ihres Tages zu ernten. Es hilft ihnen auch dabei, die Wertschätzung und Liebe für Natur und Menschen in sich wachsen zu lassen.

“Die Worte die vor allen anderen kommen” 

Bei den Haudenosaunee, der Konföderation der Irokesen-Stämme in Nordamerika, wird jeder Tag und jede Versammlung mit einer Danksagung eröffnet, den “Worten die vor allen anderen kommen”. Sie dient dazu, Wertschätzung, Liebe und Dank für alle Wesen der Natur auszudrücken und dabei unseres eigenen Platzes innerhalb der natürlichen Welt bewusst zu werden.
Das gemeinsame Danken für die gesamte Schöpfung hilft, die Herzen und den Verstand der Menschen zu öffnen und zu fokussieren, um gut miteinander zu kommunizieren, zu lernen oder Entscheidungen zu treffen. Es erinnert uns auch daran, welchen Platz wir als Menschen innerhalb der Schöpfung einnehmen und wie stark verbunden wir mit allen natürlichen Wesen und allen anderen Menschen sind.
Diese “Thanksgiving Address”, wie sie auch genannt wird, ist eine regionaltypische Form des Dankens, die uns für unser eigenes Leben inspirieren kann.
Sie ist eins von einer Vielzahl ganz unterschiedlicher kultureller Elemente, die wir ab April 2013 in der Wildnis- und Natur-Kultur-Pädagogik Weiterbildung gemeinsam ausprobieren und erforschen werden.
Weiter unten kannst du einen Film sehen, in dem die Mohawk Geschichtenerzählerin Kay Olan die traditionelle Danksagung spricht. Die Bilder dazu wurden von der Tuscarora Künstlerin Melanie Printup Hope gefertigt und mit Fotografien ergänzt.
Ich wünsche dir ein neues Jahr voller kleiner und großer Dankbarkeiten!
Elke