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Eine Meditation, die dich vielleicht dabei unterstützen kann, auch angesichts von Tumult, Chaos und viel Unsicherheit und Verwirrung, gut geerdet und zentriert Entscheidungen zu treffen und dich auf eine lebensförderliche Weise zu verhalten. Die Bäume können helfen!

 

14 Tipps für nährenden Sozial-Kontakt mit den “Anderen”

 

Bäume umarmen ist zum Glück noch vollkommen risikofrei! Und da keine Ausgangssperre das allein draußen in Garten, Wald und Wiesen sein verbietet, haben wir die wunderbare Gelegenheit, mehr Zeit mit unseren nicht-menschlichen Verwandten zu verbringen…

Ich bin als Stadtkind aufgewachsen, glücklicherweise mit gerade genug Naturkontakt um erahnen zu können, was ich alles verpasse – und um es später „jetzt aber richtig“ nachzuholen.

Als Erwachsene konnte ich tagelang draußen sein, eintauchen, am Feuer selbst Gesammeltes kochen, mit neuen Sinnen wahrnehmen, Natur aufmerksamer begegnen, und durch den innigen Kontakt mit ihren Wesen und Elementen mich selbst mehr fühlen.

Wir Menschen brauchen Natur um uns herum – nicht nur für Nahrung, Wasser und die Luft zum Atmen.

Gerade jetzt, wo unser gesamtes Leben sich rasant immer mehr „virtualisiert“, brauchen wir Verbindung zum echten Da-Sein, auf eine körperlich fühlbare Weise – damit wir uns lebendig, gesund und als wir selbst fühlen können.

Lange intensive Ausflüge zu Wäldern, Bergen und Meer sind eine Möglichkeit dafür. Den größten Teil unseres Lebens verbringen wir jedoch im Alltag.

Wie können wir unsere Sinne für die Natur öffnen, der wir sowieso begegnen – weil wir unser Zuhause mit ihr teilen?

Egal ob wir in der Stadt oder auf dem Land leben – oft ignorieren wir die grüne Welt vor unserer Nase. Wir bewegen wir uns an ihr vorbei wie durch eine Menschenmenge in der U-Bahn: Wir vermeiden jeden Blick, fassen niemanden an und gehen in keinerlei Kontakt.

So kommen wir mit Menschen nicht in Verbindung und mit der Natur eben auch nicht, denn wo ich nur hindurch eile, bleibe ich ein Fremder. Dabei ist die nicht-menschliche Welt voller Persönlichkeiten!

Hier findest du 14 Lieblings-Methoden für Naturverbindung sogar mitten in der Stadt (und auf dem Land übrigens auch):

1. Augen auf

Volle Aufmerksamkeit voraus. Wirklich hinschauen. So wie ich meine zukünftige Chefin beim Vorstellungsgespräch anschauen würde, oder das Blind Date was ich zum ersten Mal treffe. Wir Menschen sind visuelle Wesen, mit „Sichtsucht“ wie der Höhlenforscher Stephan Kempe es nennt, und unser Blick lenkt unsere Aufmerksamkeit. Je länger und intensiver ich schaue, desto mehr Gewicht hat eine Interaktion für mich selbst.

2. Berührung

Wir berühren mit unseren Händen nur Menschen, mit denen wir auch was zu tun haben wollen. Indem ich bewusst mit meinen Händen eine Pflanze berühre, um sie zu spüren, zu ertasten, ihr eine Geste der Zärtlichkeit und Freundschaft zu schenken, verändert sich meine innere Haltung ihr gegenüber. Ein Gefühl von zurück-berührt-werden kann sich einstellen, das mich selbst nährt. Die Steigerung: Pflanzen, Bäumen oder Steinen mit meinem Kopf ganz nahe kommen, mich von ihnen an Wange oder Stirn berühren lassen. Auch sie umarmen oder mich auf den Sand, die Wiese oder den Waldboden hinlegen erfordern erst und stärken dann mein Vertrauen und Verbundenheitsgefühl.

3. Zwiegespräche

Von Herzen teilen und wirklich zuhören geht auch mit nicht-menschlichen Wesen. In Stille denkend oder auch laut ausgesprochen kann ich mitteilen, was mich bewegt – einem Baum, einem Fluss, der untergehenden Sonne.

Und ich kann Fragen stellen und zuhören. Charles Eisenstein hat die Frage, die wir unseren Mit-Wesen aller Sorten (auch Steinen, oder schon toten Lebewesen) immer wieder stellen können, so formuliert: „Wie ist es, du zu sein?

Lassen wir stillen Raum danach, können überraschende Eindrücke auftauchen: Emotionen, Gedanken in Worten ausformuliert, Körpergefühle, Ahnungen. Andreas Weber sagt:„Unser Körper, den wir mit allen anderen Wesen teilen, ist ein universelles Übersetzungsinstrument für die Regungen des Lebens, für seine Schmerzen, für sein Glück.“

4. Gemeinsame Erlebnisse

Menschen mit denen ich etwas erlebt habe, fühle ich mich mehr verbunden. So ist es auch mit Plätzen in der Natur und ihren BewohnerInnen. Ich kann sie besuchen, wenn in meinem Leben etwas besonders los ist, und allein oder mit meinen liebsten Menschen, Zeit dort verbringen – für ein lang ersehntes Treffen mit alten FreundInnen, für ein schwieriges Gespräch, für das Feiern von etwas Wertvollem, für das Suchen nach Antworten in mir selbst und nach Entscheidungen für meinen Weg, für ein paar gemütlichen Stunden bei einem Picknick, beim Lesen oder für Spiele mit meinen Kindern.

5. Konkret sein

Beziehungen knüpft man immer nur mit einem einzigen Menschen auf einmal. Ich kann mich nicht mit einer ganzen Menschenmenge verbinden. So ist es in der Natur auch: Es macht Sinn mit einem bestimmten Baum zu beginnen, mit den ganz konkreten Vögeln auf meinem Balkon, mit einer bestimmte Pflanzenart, einem Felsen oder einem Bach – durch die ganz persönliche Zuwendung können aus „Dingen“ oder „Bekannten“ auch in kurzer Zeit Vertraute und dann Freunde werden.

Dabei kann ich meinen Blickwinkel variieren: von der einen Löwenzahnpflanze neben der Bushaltestelle, über die Amseln als eine Vogelart, den gesamten Park um die Ecke als einen Ort oder sogar die ganze große „Mutter Erde“ – kann ich alle jeweils als ein Gegenüber ansehen, mit dem ich in Kontakt gehe.

6. Worte finden

Namen geben stärkt die Verbindung: Wortschöpfungen wie die „stille Wiese “, das „Samtkräutlein“, „Emma die dicke Weide“ erleichtern es mir, auch über die kognitive Ebene hinaus im Kontakt zu sein. Denn in diesen selbst erfunden Begriffen stecken Aspekte der Beziehung schon drin – sie sind einfach viel persönlicher als die landläufigen Bezeichnungen.

7. Danken und Geschenke machen

Für viele Kulturen der Erde hat es sich bewährt, der Natur ebenso wie Menschen zu danken und etwas (zurück) zu schenken. Egal ob ich symbolisch kleine Häppchen von meinem Essen mit Grüßen und Dank rausbringe, oder ob ich bewusst die Vögel füttere oder Stauden für die Insekten pflanze – indem ich danke und etwas schenke, stärke ich die Beziehung, kann Gegenseitigkeit erfahren indem ich mich selbst im Kleinen als aktiv fürsorgend und wohltuend für die Natur verhalte, von der ich so viel Positives empfange.

8. Zuhause oder auf Reisen

Klar kann ich innigere Beziehungen knüpfen zu Bäumen die ich mein Leben lang jeden Tag besuche. Und ich kann – wie auf Reisen gegenüber Menschen die ich vielleicht nur ein einziges Mal treffe – auch in seltenen Begegnungen ganz und gar präsent und herzoffen sein und in Verbindung gehen.

9. Jeden Tag was Neues entdecken

Egal wie viel Natur ich im Alltag um mich herum habe – immer lässt sich etwas Neues entdecken. Indem ich meinen Blick neugierig streifen lassen und lausche, wird der Umfang dessen, was ich über die Sinne wahrnehmen kann, mit der Zeit immer größer. Was habe ich auf dem Weg zur Arbeit noch nicht entdeckt bisher? Was hat sich verändert? Oft habe ich freudige Überraschungen erlebt, wenn ich an schon längst bekannten Plätzen Sachen entdeckt habe, die ganz klar schon immer dort waren – und ich doch erst mit der Zeit in der Lage war, sie überhaupt zu sehen.

10. Auf die Geräusche von draußen hören

An manchen Tagen ist es schwer, überhaupt Draußen-Zeit zu haben. Gerade an solchen Tagen und während viel zu langer Stunden in Häusern ist es für mich ein lebensrettender Anker, auf die leisen Geräusche von draußen zu hören: Vogelstimmen, Wind, Regentropfen, Hundegebell, oder auch die Stille im Raum zwischen den Geräuschen von Stadt und Straßen erinnern mich an das Lebensnetz, dessen Teil ich bin.

11. Die Elemente fühlen

Während ich irgendwohin laufe, kann ich bewusst fühlen, wie Sonnenwärme, Wind, Regentropfen oder feuchte Luft meine Haut berühren. Ich kann die Handschuhe ausziehen oder durch die Schuhsohlen die Kühle des Bodens spüren. Vor allem wenn ich die Schuhe ausziehe oder mit den Händen den Boden berühre, verändert sich nicht nur meine körperliche Verfassung messbar (vor allem wenn ich dies regelmäßig über längere Zeiträume tue), sondern es hilft mir jedes Mal, voll und ganz im Moment anzukommen.

12. Etwas direkt draußen naschen

Es ist ein archaisches Gefühl, die Frühlingsblätter einer Birke oder Buche oder die saftigen Hagebutten vom Hundsrosen-Strauch zu pflücken und in den Mund zu stecken. Schon so manches Schulkind habe ich verkünden gehört, dass es „alleine draußen überleben“ könne, weil es ja wisse, was man alles essen kann. So ein Grundvertrauen entsteht, und damit verbunden eine tiefe Dankbarkeit für die Gaben die Natur, die selbst in der Stadt oft überraschend reichhaltig sind.

13. Etwas mit nach Hause nehmen

Kinder tun es die ganze Zeit: Stöcker, Steine, Pflanzenteile – alles nehmen sie gerne mit. Ich frage dabei gern um Erlaubnis oder Einverständnis (siehe Punkt 3) und lasse im Austausch gern etwas dort (siehe Punkt 7), und habe dann in der Stube oder in der Hosentasche ein Erinnerungsstückchen, das mir hilft, mich auch von Ferne mit meinen vertrauten Plätze und Wesen verbunden zu fühlen.

14. Sonnenauf- und Untergänge

Noch nicht so lange (und nicht an allen Orten der Erde) haben wir als Menschheit elektrisches Licht, beleuchtete Straßen und Fahrzeuge die sich selbst den Weg erhellen. Tief in unsere Psyche ist die Bedeutsamkeit von Sonnenauf- und untergang für uns als Spezies lebendig so wie sie es Millionen von Jahren lang war.

Das rötliche Licht lässt alle Farben besonders erscheinen, und der ganz nah überm Horizont stehende glühende Sonnenball schafft es sogar auf Autobahnraststätten, dass viele Köpfe sich nach ihm umdrehen.

Für mich sind beide Momente Gelegenheiten, meine Verbindung zur Erdkugel zu spüren, als deren Teil ich durchs unendlich große Weltall kreise, und darauf, wie alle Energie um mich herum und auch in meinem Körper letztendlich von der Kraft der Sonne geschenkt wird.

Ich erinnere mich daran, wie wenig selbstverständlich es ist, einen weiteren Tag erleben zu können, vielleicht sogar zusammen mit meinen Liebsten. So kann ich mich mit allen anderen Wesen gleichzeitig verbunden fühlen – weil sich in uns allen etwas danach sehnt, zu leben. Und ich kann ganz leicht zutiefst dankbar sein.

Es sind die kleinen Momente

Egal wie wenig Zugang ich zur Natur habe – wenn ich ihr meine volle Aufmerksamkeit schenke, werde ich die Verbindung spüren können.

Für Partnerschaften und andere enge Beziehungen gilt: Es sind die kleinen alltäglichen Interaktionen, die den Unterschied machen – und so ist es auch in unserer Verbindung zur Natur.

So glücklich ich bin ein paarmal im Jahr so richtig ein- und abzutauchen – für ein Gefühl von intensiver und tragfähiger Verbindung ist der Alltag viel wichtiger.

Glücklicherweise gibt es, selbst wenn ich mitten in der Großstadt bin, den Himmel mit seiner Wolkenwelt, den Wind der zwischen den Häusern streicht, Tauben und Spatzen, die von Greifvögeln wie Sperbern oder Turmfalken gejagt werden, und viele andere Wesen mehr – wenn ich erst einmal aufmerksam hinschaue.

Es tut mir gut, und dadurch haben auch meine nächsten Menschen etwas davon.

Und es tut der Natur gut – denn wie sonst, könnten wir wieder Verbündete und Hegende für sie werden?

Der Fluss Whanganui in Neuseeland hat es geschafft: Er ist vor dem Gesetz wie eine menschliche Person zu behandeln.

Am Anfang jeglicher Nutzungsüberlegungen für den Fluss stünde damit die Sicht auf ihn als als lebendiges Wesen, sagte ein Sprecher der indigenen Whanganui-iwi, die nach 140 Jahren Verhandlung, nun als Vertreter des Flusses handeln dürfen.

Menschen aus indigenen Kulturen sprechen es einfach aus, NaturwissenschaftlerInnen erforschen es erst Stück für Stückchen – das was im Mainstream trotzdem hartnäckig tabu scheint: Die Natur ist höchstwahrscheinlich ebenso beseelt, wie wir Menschen – voller Intelligenz, Empfindungsfähigkeit und vielleicht sogar Bewusstsein.

Empfindungen und Werte scheinen die Basis aller Lebensprozesse zu sein, auch bei Tieren, Pflanzen oder Kleinstlebewesen. Selbst auf Zellebene könne man feststellen, dass Leben nicht denkbar wäre ohne Gefühle, schreibt der Biologe und Philosoph Andreas Weber.

Die Puzzleteile sind zahllos

Der Hirnforscher Jaak Panksepp, der eine artenübergreifende „Affektive Neurowissenschaft“ entwickelte, spricht es aus: „Der verbreitete Glaube, dass allein die Aktivität des menschlichen Großhirns Kernaffekte [=Emotionen, Anm. d. Verf.] hervorzubringen vermag, ist so naiv wie das geozentrische Weltbild.“

Wir stehen vor einer tiefgreifenden Wende der Kernauffassungen unserer Zivilisation. Im Grunde genommen geht es darum, als Menschheit von der irrigen Annahme zurück zu treten, es müsste sich alles in der Natur letztendlich doch um uns selbst und unsere Lebensgrundlagen drehen.

Wir brauchen viel mehr Respekt vor der natürlichen Welt, so viel wie wirklich notwendig ist, um ihr Wohlergehen und Gedeihen nicht weiter zu zu zerstören.

Respekt braucht Augenhöhe

Viele indigene Kulturen sind HüterInnen von Artenvielfalt in den Ökosystemen, die sie noch selbst bewirtschaften dürfen.

Sie haben raus, was wir uns selbst ab-ringen und von Großkonzernen fordern: Selbstbeschränkung gegenüber der natürlichen Welt, um diese eben nicht auszubeuten. Klar hilft dafür Wissen über die Natur vor Ort – doch Wissen allein lenkt das Handeln nicht. Menschen schützen nur das was sie wirklich lieben.

Wie lieb kann Natur uns werden? Wir sehr können wir es zulassen, Natur zu lieben?

Kommt ganz darauf an, wie wir sie betrachten: Als Ressource? Als Kulisse für Erholung und Abenteuer? Als Lebensraum für Menschheit und Tiere, die wir gern mögen?

Oder als beseelt und in sich heilig? Als gleichwürdiges Gegenüber, auf Augenhöhe? Als Wesen, das so vielschichtig und vollkommen ist, dass Ehrfurcht uns erfüllt, wenn wir ihm uns nähern?

Es gibt einen Begriff für diese Art von Natursicht.

Wikipedia erzählt uns mehr: “„Animisten“ betrachten jeden noch so kleinen Teil der Welt, der von ihnen als beseelt aufgefasst wird, als einen Ehrfurcht gebietenden Kosmos. […]

„Heilig“ im Sinne von „respektgebietend“, aber auch „respektfordernd“, sind Erscheinungen der natürlichen Umwelt in den meisten Ausprägungen:

In jedem beseelten Stein, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen, auch an jedem Ort entwickelt „Lebenskraft“ einen eigenen Willen […]”

Charles Eisenstein, US-amerikanischer Kulturphilosoph lädt uns ein, es auszuprobieren indem wir Bäume, Pflanzen, Steine, Tiere fragen: “Wie ist es, du zu sein?”

Und: “Was wünscht das Land sich? Was wünscht sich der Fluss? Was wünscht sich der Wolf? Was wünscht sich der Wald?”, und dann auf die Zeichen zu achten. “So erweisen wir Land, Fluss, Wolf und Wald den Status des “Seienden” – wir zählen sie zu jenen heiligen Wesen dazu, die immer alles beobachten, und die selbst Bedürfnisse und Interessen haben, welche mit unsren eigenen verwoben sind.”

Die beseelte Welt

Animismus und Anthropomorphismus (=Vermenschlichung von Nicht-menschlichem) sind scheinbar angeboren. Kinder praktizieren sie von ganz alleine, und in unserem Kulturkreis werden sie nicht weiter gefördert, sondern als Aspekte einer kindlichen Weltsicht abgetan, die irgendwann im Schulalter überwunden sein sollte.

Somit ist es nicht verwunderlich: Obwohl Kinder im Laufe der Jahre immer mehr Wissen darüber beigebracht wird, wie sie sich umweltfreundlich verhalten können, nimmt in der Jugend, wo Glauben an die Beseeltheit der Welt nachhaltig abgewöhnt ist, auch die Betroffenheit über Umweltschädigung ab, und ebenso auch die Bereitschaft, sich selbst umweltschonend zu verhalten.

Doch wir gewöhnen damit jungen Menschen etwas Kostbares ab, was für uns als Menschheit vermutlich von Anbeginn an essentiell war und für viele naturverbundene Kulturen immer noch ist: Um uns herum eine Welt voller Mit-Wesen zu sehen, die uns ebenbürtig sind – statt nur seelenloser Ressourcen oder Lebensraum-Features für uns als Herren der Schöpfung.

Dabei sind Kinder sehr gut in der Lage, zusätzlich zur animistischen Weltsicht jede Menge Faktenwissen über Natur und Ökologie zu sammeln. Sie machen uns das vor, was wir global gut gebrauchen können: ein Zusammenspiel von animistischer und naturwissenschaftlicher Weltsicht, die wunderbar nebeneinander existieren können.

Wie wäre es: Wir lernen weiter durch wissenschaftliche Vorgehensweise UND betten das Ganze ein in einen Glauben an die Beseeltheit allen Lebens, die für die Zukunft des Lebens auf der Erde Sinn macht. (Natürlich wurzelt so ein Glaube im ganz individuellen und sehr vielfältigen Erleben und ist damit genau das Gegenteil von institutionalisierter Religion oder Sektiererei.)

Das Ergebnis? Eine echte Ehrfurcht vor dem Leben.

Hinein in die Tabu-Zone!

Im Mainstream der Gesellschaft herrscht noch ein anderer Glaubenssatz: Beseeltheit der Natur? “Esoterisch und unwissenschaftlich“. Unzählige WissenschaftlerInnen, die weltweit herausragende wissenschaftliche Arbeit mit einer persönlichen animistischen Weltsicht verbinden, deuten dies oft lieber nur im Nachwort an – sonst wird öffentlich und in den Institutionen auf ihnen herumgehackt.

Peter Wohlleben fasste in seinem Bestseller-Sachbuch über das “Geheime Leben der Bäume” zahlreiche wissenschaftliche Studien in verständliche “vermenschlichende” Worte. Gerade ist der gleichnamige Dokumentarfilm über sein Werk erschienen und einige alteingesessene Medien in Deutschland probieren nun, ihn regelrecht an den Pranger zu stellen. Kein Wunder, denn er schaffte es, Millionen von Menschen weltweit für das Thema nachhaltige Waldwirtschaft zu begeistern – die im Gegensatz zu den vielerorts angewandten Methoden der Forstwirtschaft steht, und damit entgegen kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen von Waldbesitzern und Holzindustrie.

Zum Glück gibt es viele renommierte WissenschaftlerInnen in Deutschland und anderen Ländern, die hinter Wohllebens Aussagen stehen.

Glaubenssätze vieler Religionen sind sehr wohl gesellschaftlich anerkannt, und auch Angehörige einer indigenen Kultur würden für animistische Äußerungen (glücklicherweise!) in vielen Medien nicht belächelt oder kritisiert werden. Wie können wir es schaffen, dass auch individuelle, also weder institutionalisierte noch tradierte Spiritualität sich öffentlich ausdrücken darf, vor allem wenn sie lebensfördernd ist?

Wir dürfen es!

Jede vierte Frau spricht laut Umfrage mit ihren Zimmerpflanzen.

Auch Hunde, Katzen oder Pferde dürfen zum Glück zensurlos als beseelt behandelt werden. Unsere lebendigen Kuscheltiere scheinen oft die letzten nicht-menschlichen und dennoch voll anerkannten Verwandten zu sein – neun von zehn US-Amerikanern sagen, dass ihr Haustier ein Familienmitglied sei.

Wir Menschen sind nicht die einzigen mit Persönlichkeit” sagt Jane Goodall im Interview (mit derselben ZEIT, die kürzlich auf Peter Wohleben herumhackte). Als junge Schimpansenforscherin wurde auch sie herbe für ihre Vermenschlichungen kritisiert – doch ihre hartnäckige Einfühlsamkeit für ihre Studien-“Objekte” hatte Erfolg: Mit ihrer respektvollen Haltung schaffte sie es, sensationelle Entdeckungen über das Sozialleben der Primaten zu machen.

Mit jeder Regung in uns, die flüstert, dass “die anderen” ebenso wertvoll und seelenvoll sind wie wir selbst, sind wir in guter Gesellschaft: Alexander v. HumboldtJohn Muir, Arundhati RoyFranz Kafka, KonfuziusAlbert SchweitzerLeonardo da Vinci, Jiddu KrishnamurtiCarl Gustav JungFranz von AssisiJohann Wolfgang v. GoetheThich Nhat Han – die Liste ist lang und ermutigend.

Was kann ich tun?

Wo in mir konnte ich mir ein paar heimliche Fetzen animistischer Weltsicht bewahren? Irgendwas gefunden?

Das ist ein Grund für große Freude! 🙂

Das wichtigste ist, dazu zu stehen, was ich im Inneren als wahr erlebe – vor mir selbst (für meine seelische Gesundheit) und vor allem, um den Kindern von heute die Rückenstärkung dafür zu geben, ihre angeborene animistische Weltsicht zu bewahren.

Für ein Urvertrauen in die Welt und in sich selbst, ist es essentiell, Kinder in dem zu spiegeln, was für sie wahr und bedeutsam ist. Neuropsychologe Daniel Siegel beschreibt, wie wichtig es ist, eine Sicht auf die Realität zu schenken, die nicht im Konflikt ist mit dem, was ein Kind erlebt und für wahr hält, sondern das kindliche Erleben bestätigt – nicht nur was das Kind sieht und hört, sondern auch wie es sich im Inneren dabei fühlt, wie sich ein Erlebnis anfühlt.

Indem wir Kinder in ihrer animistischen Weltsicht bestätigen, stärken wir nicht nur ihre Naturverbindung, sondern ermöglichen ihnen, uns als Bezugspersonen und sich selbst tiefer zu Vertrauen, um resilienter durchs Leben gehen zu können.

Es könnte sein, dass sich das auch in mir selbst als eine große Erleichterung anfühlt, wenn ich mich angesichts widerstreitender Glaubenssätze in mir (beeinflusst von Medien, Elternhaus, Schule usw.), mich vor mir selbst zu denjenigen bekenne, die als tiefere Wahrheit in meinem Inneren existieren.

Und vielleicht traue ich mich dann ja auch mal im Büro oder bei den anderen Eltern auf dem Spielplatz zu erwähnen, dass die große Linde da vorne mir persönlich viel bedeutet. 

Was wir inniglich lieben, schützen wir. Wenn wir Kinder und Jugendliche ins Leben begleiten, die eine von genug Erwachsenen gewürdigte und geachtete, innige Beziehung zu einem Baum, einem Tümpel, einer Wiese und zur „Mutter Erde“ in ihrer Gesamtheit haben – wird die Welt anders aussehen.

Jetzt ist genau die richtige Zeit dafür!

Die Natur vermisst uns

Wir vergessen es angesichts der wachsenden virtuellen Welt zunehmend, doch brauchen wir das Interagieren mit Natur, um ganz wir selbst zu sein.

Seit vielen Jahren ist bekannt, wie unglaublich wohltuend für uns Menschen die Zeit in der Natur ist, und wie heilsam der Umgang mit Tieren ist, beispielsweise für Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen.

Es ist kein Zufall, dass wir in dieser Zeit, wo wir die die Mit-Wesen um uns herum immer weniger beachten, auch selbst mehr und mehr vereinsamen: Zustände von Einsamkeit breiten sich in der zivilisierten Welt aus wie eine Epidemie, vor allem junge Erwachseneältere Menschen, zunehmend auch Kinder und Jugendliche fühlen sich schrecklich einsam und allein.

Wenn wir die Beseeltheit der Welt wieder umarmen, sind wir nicht mehr allein.

Charles Eisenstein, der als junger Mann an der renommierten Yale University Mathematik und Philosophie studierte, beschreibt es so:

“Die Wesen, die wir aus unserer Realität ausgeschlossen haben, die wir in unserer Wahrnehmung zu Nicht-Wesen geschrumpft haben, warten immer noch auf uns. Selbst angesichts all meines ererbten Unglaubens (mein innerer Zyniker, der in Naturwissenschaften, Mathematik und analytischer Philosophie ausgebildet wurde, ist mindestens so schneidend wie deiner), wenn ich es mir erlaube, ein paar Momente lang still und aufmerksam zu sein, kann ich fühlen, wie diese Wesen sich versammeln. Stets hoffnungsvoll neigen sie sich der Aufmerksamkeit entgegen. Kannst du sie auch spüren? Inmitten der Zweifel und jenseits vom Wunschdenken, kannst du sie fühlen? Es ist dasselbe Gefühl, wie im Wald zu sein und mir zum aller ersten mal gewahr zu werden: der Wald ist lebendig. Die Sonne schaut mir zu. Und ich bin nicht allein.”

Ich weiß nicht, ob es objektiv wahr ist, weil es vielleicht niemals bewiesen werden kann. Im Herzen habe ich schon oft gefühlt, dass andere Wesen die Menschen vermissen, zum Beispiel alte Bäume im Park sich danach sehnen, wieder kleine flinke Kinderfüße und -hände auf sich zu spüren.

Wenn wir uns wagen, hinzuschauen, zu fühlen, wieder in Verbindung zu gehen mit der Natur, bedeutet das für mich vor allem ein nach Hause kommen. Wo wir schon seit langem von unserer ganz großen Familie erwartet werden…

Hier findest du die wissenschaftliche Arbeit, auf der dieser Artikel basiert.

Naturverbindung ist eine Schlüsselkompetenz für zukunftsfähige Gesellschaftsgestaltung, in allen Lebens- und Berufsfeldern, die unsere natürliche Beziehung zu unserer Mit-Welt wiederbeleben kann – bis in den gesellschaftlichen Mainstream hinein! 

Sei mit dabei in unserer 9-monatigen Weiterbildung, mit Andreas Weber als Gastlehrer…

…erwächst die Zukunft
In diesem Film erzählt Mark Morey während eines Musik-Camps in den USA die Geschichte vom irischen Lied “Come by the Hills”, und wie er es von dem irischen Maurer und Liedersammler Gerry Brady gelernt hat, den einige von euch vielleicht bei den Workshops mit Jon Young hier in Deutschland kennenlernen konnten.

Die Melodie ist eine irische Volksweise, der Text wurde in den 60er Jahren vom schottischen Liedermacher W. Gordon Smith geschrieben.

Mark Morey sagt im Film: “Ich war in England und hab dort einen Mann aus Irland getroffen, Gerry Brady, ein 70jähriger pensionierter Maurer, der hunderte mündlich überlieferte Lieder kannte. Ich erzählte ihm, dass wir dort seien um den Kindern ihre Verbindung zur Natur zurück zu geben, damit die Kultur von diesem zentralen Ort aus wieder neu erschafft werden könne.

Gerry antwortete, dass er genau wüsste was ich meine, und das dasselbe in ihrer Kultur auch gerade passieren würde. Dass dieselben Dinge, deren Zerstörung eine gesamte Kultur zerstören könnten, in ihrem Wiederauftauchen, auch die Kultur zurückzubringen vermochten. Denn in Irland waren im Jahr 1665 tausende von traditionellen Harfen verbrannt worden, deshalb hätten sie nun eine Harfe auf der Rückseite einiger ihrer Geldmünzen. Ich weiß eine Mission des Fiddle-Camps ist es, die Musik zurück zu holen, dass sie sich durch die Zeit weiter bewegen kann. Gerry sagte zu mir, du musst dieses Lied lernen. Es geht dabei darum, wieder in die Landschaft zu gehen, den Liedern der Bäume und des Windes zu lauschen, und von diesem Ort aus, die Zukunft zu erschaffen.”