Safer Spaces – Zutaten für sicherere soziale Räume
…5-tägiger Grundlagen-Kurs für Multiplikator*innen,
für das Gestalten von Treffen, Veranstaltungen, Projekten und Teams
Es gibt so viel zu tun, um den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen – und fast nichts davon könnten wir alleine schaffen.
Als Menschen brauchen wir einander – nicht nur aufgrund unserer Biologie, die uns als zutiefst soziale Wesen für ein Leben in Gemeinschaft und Zugehörigkeit mit anderen ausgestattet hat.
Sondern wir brauchen einander auch, um gemeinsam mehr von dem zu bewirken, was es uns ermöglichen kann, als Menschen und mit Menschlichkeit zu existieren und zu handeln. Sozialer Zusammenhalt ist nicht nur global von Bedeutung – sondern auch im Kleinen: In unseren Teams, Organisationen, Initiativen, Freund*innenkreisen und Familien.
Umso mehr gilt dies in Zeiten und Kontexten, die von Stress, Bedrohungen, Ungleichheit, Konflikten und gesellschaftlicher Zersplitterung geprägt sind.
Obwohl es im Privaten und auch in Institutionen, wie Schule, NGOs, Unternehmen und mehr eigentlich eine Menge Räume gibt, in denen Menschen zusammenkommen, ist das Erleben von tiefer Einsamkeit seit vielen Jahren eine Quelle von seelischem, körperlichem und sozialem Leiden für viele.
Vor allem junge Erwachsene, ältere Menschen, zunehmend auch Kinder und Jugendliche fühlen sich oft einsam und allein.
Dabei geht es meist nicht nur um einen grundsätzlichen Mangel an Kontakt, sondern vor allem um das innere Erleben, niemanden zu haben, dem ich vertrauen kann.
In einer US-amerikanischen Studie sagte jede vierte Person, sie hätte niemanden, dem sie sich anvertrauen könnte.
Laut einer anderen Studie gab die Hälfte der jungen Leute an, in der Woche zuvor hätte es keinen einzigen Menschen gegeben, der länger als wenige Minuten zugehört habe, wie es ihnen ging oder ihnen das Gefühl gegeben hätte „wirklich interessiert“ zu sein.
Um dies zu lindern, ist es nicht nur wichtig, Räume zu schaffen in denen Menschen gleichzeitig zusammen sind. Denn viele Personen sind ja über Schule, Job und andere Kontexte täglich in Kontakt mit anderen Menschen.
Doch oft bleibt dieser Kontakt oberflächlich, so dass Menschen sich sogar inmitten von Gruppen gleichzeitig tief einsam fühlen können.
Was fehlt, sind sicherere Räume – in denen echte Verbindung möglich ist, wo Vorurteile und Diskriminierung nicht ausagiert, sondern abgebaut werden. Wo Menschen nicht darauf reduziert werden, zu „funktionieren“, sondern in ihrer Menschlichkeit da sein, sich in ihrer Verschiedenheit zeigen und sich basierend auf ihren Stärken einbringen dürfen.
Wenn Menschen Katastrophen oder äußere Gefahren erleben, verhalten sie sich oft unmittelbar zugewandt, fürsorglich und freundlich gegenüber einander. Diese „Tend & Befriend“ Strategie geht mit dem Ausschütten verschiedener Botenstoffe im Körper einher, die unsere Wahrnehmung, Empathie, Impulskontrolle, Handlungsfähigkeit und vieles mehr stärken können, was wir in gefährlichen Momenten brauchen.
Eine wesentliche Voraussetzung dafür scheint aber zu sein, dass wir die Gefahr nicht im anderen sehen.
Solange wir uns dagegen miteinander, mit den anderen anwesenden Personen nicht wirklich sicher fühlen, kostet das aufrecht erhalten diverser persönlicher Schutz-Strategien viel Energie und Aufmerksamkeit.
Neuropsychologische Forschungen weisen darauf hin, dass in diesem Fall unsere kognitiven Fähigkeiten und insbesondere unsere Kompetenz, mit anderen in Beziehung zu gehen, oft nur noch eingeschränkt funktionieren können, wenn wir in einem „Überlebensmodus“ sind, bei dem wir einander nicht vertrauen können.
Dabei scheinen gerade jene Kompetenzen betroffen, die unseren menschlichen Verstand zu einem besonders wundervollen Werkzeug machen könnten:
Uns sicher und geborgen zu fühlen, scheint also eine Grundvoraussetzung dafür zu sein, uns alltäglich und auch in Notsituationen so verhalten zu können, wie wir selbst es vermutlich am besten fänden und wie es auch für unsere Mitmenschen am hilfreichsten wäre.
Gerade wenn es uns gelingt, mit anderen Menschen einen sicheren Raum erfahrbar zu machen, kann unsere Wirk-Kraft sich regelrecht vervielfachen.
Denn gelingende gemeinschaftliche Projekte sind so viel mehr als nur die Summe dessen, was wir individuell beitragen.
Dabei geht es nicht darum, uns gegenseitig in Wattebällchen zu packen, in denen wir uns gemeinsam vor dem Leid der Welt verstecken können, ganz im Gegenteil!
Sichere Räume können so nährend sein, dass sie uns ermöglichen, uns sogar mehr dafür zu öffnen, was an Leiden in uns, zwischen uns und vor allem auch um uns herum existiert. Angesichts der Kraft vieler Schultern kann die Last des Lebens und auch die Last von kollektiven Verlusten und Krisen sich ertragbarer anfühlen.
Damit können sicherere Räume ermöglichen, genauer hinzuschauen und mehr darüber zu lernen, was gesellschaftlich oder in bestimmten Kontexten schief läuft, was unser persönlicher Anteil daran sein könnte, und auf welche Weisen wir hier Veränderung bewirken könnten, indem wir aktiv einen lebensförderlichen Einfluss darauf nehmen.
Das Erleben von Sicherheit hat viele subjektive Facetten. Dabei stehen wir vor der Herausforderung, dass viele Menschen individuelle oder kollektive Trauma-Erfahrungen durchlitten haben, was zu erhöhter Sensibilität des Nervensystems auch in zwischenmenschlichen Interaktionen führen kann.
Forschungen über transgenerationale Traumatisierung weisen sogar darauf hin, dass solche Traumafolgen über Generationen weitergegeben werden können.
Beim Gestalten von sozialen Räumen geht es also darum, uns dem Ermöglichen von subjektiver Sicherheit so gut wie möglich anzunähern.
Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund von Ungleichheit in vielen gesellschaftlichen Kontexten.
Je privilegierter Menschen innerhalb von einem Kontext sind, desto leichter fällt es ihnen meist, sich darin sicher zu fühlen. Umgekehrt gilt oft: Je mehr Erfahrungen von Ausgrenzung, Stigmatisierung oder Diskriminierung wir haben, desto schwerer und auch riskanter kann es für uns sein, uns sicher zu fühlen – vor allem auch weil die Wahrscheinlichkeit tatsächlich sehr viel größer ist, dass wir Verletzendes erleben werden.
Die daraus entstehende Notwendigkeit, vorsichtig zu sein, betrifft wiederum die gesamte Gruppe oder Organisation – denn Sicherheit nur für einzelne verstärkt nur bestehende Macht-Strukturen und genügt nicht für das Kreieren der von Gleichwürdigkeit geprägten Gemeinschaft, die wir alle so dringend brauchen.
Wann immer wir beruflich oder privat soziale Räume für andere gestalten brauchen wir deshalb Handwerkszeug, mit dem wir das Erfahren von Sicherheit für alle Beteiligten begünstigen können.
Für eine faire, egalitäre und wirklich friedliche Gesellschaft oder Gemeinschaft ist es notwendig, dass wir es schaffen, miteinander und füreinander sicherere Räume zu erschaffen und zu kultivieren – zunächst im Kleinen, in all den Räumen, die wir hier und heute beeinflussen und gestalten können.
Hiermit meinen wir insbesondere Räume, in denen die Stimmen von Personengruppen, die historisch oder aktuell Genozid, Unterdrückung, Diskriminierung oder Marginalisierung und Ignoranz erlebt haben, hörbar werden können.
Damit diese Erfahrungen sichtbar werden und bezeugt sein können, auch das dadurch entstandene Wissen und die Kompetenzen gewürdigt werden. Es sind Verbindung und Zugehörigkeit, die kollektive Lernprozesse erleichtern, so dass daraus eine für alle gerechtere, lebensfreundlichere (Mikro-)Kultur erwachsen kann.
Die Resilienz einer Gesellschaft hängt nach Meinung vieler Expert*innen entscheidend davon ab, wie viel „Social Fabric“ (also „soziales Gewebe“) darin existiert.
Damit sind persönliche Beziehungen gemeint, die das private Leben wie auch gemeinschaftliche Institutionen durchziehen und in ihrer Gesamtheit Stück für Stück mehr Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung ermöglichen.
In unserer Erfahrung können Safer Spaces einen fruchtbaren Nährboden für Beziehungen bilden, die sich weit über einen formalen Kontext hinaus entwickeln und in echte Freundschaften übergehen können.
Damit können sie auch außerhalb des jeweiligen Kontexts von Treffen und Veranstaltungen Menschen dabei helfen, tragfähige Beziehungsnetze zwischen einander zu knüpfen, die weit in die größeren Gemeinschaften hinein wirksam sein können.
Der Workshop ist eine Einführung ins Gestalten sicher(er) Räume. Dabei werden wir Grundlagen und Hintergrundwissen mit dir teilen und auch viele konkrete, von uns praktische erprobte Vorgehensweisen empfehlen.
(Etwa die Hälfte der Workshop-Zeit besteht aus theoretischem Lernen, eingebettet in persönlichen Austausch, Übungen und Reflexionen.
Wie tief wir die einzelnen Themen behandeln, wird sich vor allem nach eurem Interesse als Teilnehmende richten.)
11.-15. März 2026
Start am Mittwoch mit einem gemeinsamem Abendessen um 18:30 Uhr.
Ende am Sonntag um 13:00 Uhr, danach noch gemeinsames Mittagessen und/oder Abreise.
650 € – Normalpreis
400 € – Ermäßigter Preis für Geringverdienende und Menschen, die das Gelernte im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit einsetzen wollen
900 € – Solidarpreis für Menschen, die mehr bezahlen können um die Teilnahme für andere zu erleichtern und für von Unternehmen oder Institutionen entsandte Teilnehmende
zzgl. Unterkunft & Verpflegung im Seminarhaus Lindenhof
(In Ausnahmefällen ist eine Zahlung in Raten möglich, ab dem Zeitpunkt der Anmeldung.)
Unser Preissystem dient dazu, nach dem Solidarprinzip strukturell benachteiligten Personengruppen den Zugang zu unseren Weiterbildungen zu erleichtern.
Oft bezahlen Arbeitgeber*innen für diesen Workshop oder geben einen Zuschuss – Nachfragen lohnt sich!
Für Menschen aus gesellschaftlich besonders diskriminierten Bevölkerungsgruppen vergeben wir zusätzlich eine begrenzte Anzahl an Reparations-Freiplätzen (siehe unten).
Hier kannst du dich verbindlich anmelden:
Mit unserem Wirken stehen wir dafür ein, historisch entstandene Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung in all ihren offensichtlichen und subtilen Erscheinungsformen sichtbar zu machen, in uns selbst und innerhalb der Gesellschaft und wir streben danach, Räume zu kreieren, um diese aufzuarbeiten.
Es ist uns ein Anliegen, dass insbesondere Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe oder geschlechtlicher Identität auch heute immer noch alltäglich Diskriminierung erfahren, sich in unseren Veranstaltungen nicht nur sicher, willkommen und ermächtigt fühlen können, sondern auch einen erleichterten Zugang zu unseren Angeboten haben.
Als eine Geste für Reparation und einen kleinen Beitrag zu einer dringend notwendigen kollektiven Wiedergutmachung haben wir uns deshalb entschieden, unseren Spielraum für Rabatte und Vergünstigungen vollständig Personen zur Verfügung zu stellen, die historisch und aktuell am stärksten diskriminierten Bevölkerungsgruppen angehören, wie Menschen nicht-binärer (und Trans*-) Identität und nicht-weiße Menschen (BIPOC).
Wenn eines davon auf dich zutrifft, melde dich bei uns. Hier geht’s zu unserem Kontaktformular.
