Lerne mit uns gemeinschaftsbezogene Trauerarbeit!
trauma-informiert · tiefgehend · fundiert
für persönliche und kollektive Trauer, Krisen und Verluste
Berufsbegleitende Weiterbildung mit 25 Präsenztagen
80+ Absolvent*innen
15 Jahre Erfahrung
25. Nov. 2026 ODER 10. März 2027
bis 17. Oktober ODER 28. Nov.2027
drei Ausbildungsblöcke * zwei öffentliche Workshops
Zwei idyllische Seminarorte im Grünen
Lindenhof (Schwäbische Alb)
Haus Ebersberg (bei Kassel/Göttingen)
Fachkräfte · Ehrenamtliche · Aktivist*innen
in Coaching, Therapie, Hospiz
Bildungsräumen & Initiativen
Festivals & Konferenzen
Für Trost, Zusammenhalt und Handlungsfähigkeit
in Zeiten von persönlichen und kollektiven Krisen und Verlusten.
Immer mehr Menschen erleben tiefe Verluste und Krisen – doch nur wenige soziale Räume können die damit verbundenen emotionalen Prozesse halten.
Vielen Begleitenden fehlen hierfür Handwerkszeug und auch Referenzerfahrungen – weil Trauer so stark tabuisiert ist.
Dazu kommt, dass verlustreiche Herausforderungen wie
keine individuellen, sondern kollektive Phänomene sind. Sie brauchen es, gemeinschaftsbezogen bearbeitet zu werden – wozu in vielen westlich geprägten therapeutischen Ansätzen wenig konkretes Wissen oder Skills vermittelt werden.
Trauerprozessbegleitung ist hier und heute ein Missing Link in vielen Berufs- & Ehrenamtsfeldern
Wenn…
→ deine Klient*in plötzlich in Tränen ausbricht und du merkst, dass deine Tools nicht mehr greifen
→ in deinem Kreis tiefe Trauer sich regt und du nicht weißt, was du jetzt machen könntest
→ Menschen dir von ihren Verlusten erzählen und du dich damit überfordert fühlst
…dann kann Trauerprozessbegleitung der Missing Link sein – ein fehlendes Puzzle-Stück oder Schlüssel für den weiteren Weg, für dich und für die Menschen, mit denen du arbeitest.
In dieser Ausbildung lernst du, für alle Menschen, die du begleitest oder für die du Raum hältst, hier einen echten Unterschied zu machen – ohne dich selbst zu überfordern.
Trauern gilt als Schwäche – dabei ist es oft der mutigste und wirksamste Schritt.
Und es ist gesellschaftlich mehr als relevant: Raum fürs Trauern gemeinsam mit anderen Menschen zu bekommen kann verhindern, dass Einzelne sich in Krisenzeiten sozial isolieren. Es kann Vereinsamung, Resignation und Apathie – bis hin zu Radikalisierung – entgegenwirken.
Für die Zukunft braucht es Trauer-Kompetenz in allen gesellschaftlichen Kontexten, um mit all der Trauer umzugehen, die jetzt schon da ist – und die noch kommen wird.
Mit Trauerprozessbegleitung kannst du kollektive Resilienz begünstigen
Trauerprozesse zuzulassen oder sogar zu unterstützen kann Schmerz transformieren. Es kann ein ganz konkreter Weg sein, um angesichts von Leiden und Verzweiflung etwas Erleichterung zu ermöglichen. Auch in schwierigen Umständen kann Trauerarbeit dazu befähigen, inmitten von Leiden und Verlust eine intensive soziale Verbundenheit und sogar positive Emotionen wie Freude oder Dankbarkeit zu empfinden.
Dabei führt Trauern keineswegs zu Resignation oder zu fatalistischem Aufgeben – ganz im Gegenteil kann es Menschen darin bestärken, sich weiterhin sogar mehr für all das einzusetzen, was ihnen wichtig ist.
Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der Trauerkompetenz in jedem sozialen Raum zu finden ist – so dass Trauer nicht versteckt zu werden braucht. Wo es genügend Räume zum gemeinschaftlichen Trauern gibt, werden wir alle einander auch in schweren Zeiten viel mehr Halt und Unterstützung schenken können – um weiter zu leben und zu wirken.
Die Weiterbildung wird für die Erarbeitung eines Leitfadens zu „Possible Practice dekolonialer Bildungsarbeit“ finanziell unterstützt durch den Landtag und das Staatsministerium Baden-Württemberg, über die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg.
In der Weiterbildung kannst du lernen, was es braucht, um für andere Menschen im beruflichen, privaten oder aktivistischen Kontext spontane Trauerprozess-Momente und auch langwierigere Trauerprozesse begleiten zu können.
Nach der Ausbildung kannst du:
Wir bieten dir:
Was unseren Ansatz der Trauerarbeit auszeichnet:
Nach der Weiterbildung hast du die Möglichkeit in Kontakt zu bleiben und gemeinsam mit uns und inzwischen über 80 anderen Absolvent*innen über Fragen, Herausforderungen und aktuelle Entwicklungen im Austausch zu sein und diese essentiell wichtige gesellschaftliche Kompetenz gemeinsam weiter zu entwickeln – für eine trauerfreundlichere Kultur für alle.
Die Weiterbildung hat keine Zugangsvorraussetzungen.
Sie ist geeignet insbesondere wenn du:
1. Intensiv mit Menschen arbeitest (in Einzelbegleitung oder Gruppenkontexten), wie als
2. Beruflich, privat oder ehrenamtlich starke Berührung mit kollektiver Not und Verlusten hast, wie:
3. Beruflich, privat oder ehrenamtlich starke Berührung mit persönlicher Not und Verlusten hast, wie:
4. In der klassischen Trauerbegleitung tätig bist oder sein möchtest, wie als
Und für alle, die es einfach interessiert!
Der Schwerpunkt der eigentlichen Ausbildungsblöcke liegt auf dem Trauerprozesse begleiten für andere Menschen – daneben gibt es aber auch Raum für deine eigenen Trauerthemen und Prozesse, insbesondere während der Trauerfeuer-Workshops.
Die Weiterbildungseinheiten bestehen knapp zur Hälfte aus Vorträgen – die umrahmt sind von (Selbst-)Erfahrungsaktivitäten, Reflexion- und Austausch. Die meisten Einheiten finden üblicherweise im Seminarhaus statt, bei angenehm warmer, trockener Witterung verbringen wir einen größeren Teil der Zeit im Freien.
Jeder Ausbildungsblock beginnt mit einem gemeinsamen Mittagessen am Donnerstag um 12:30 Uhr.
Wir starten um 09:30 Uhr nach dem Frühstück in den Tag, so dass vorher noch Zeit für individuellen morgendlichen Sport/Bewegung oder persönliche Muße-Zeit ist.
Um 13:00 Uhr machen wir eine ausgiebige 2stündige Mittagspause – genug Zeit zum Essen und für ein Nickerchen oder zum Spazierengehen.
Abendessen ist um 18:30 Uhr, die Abende verbringen wir in der Regel mit gemütlichem Austausch.
Wir enden am Sonntag um 13:00 Uhr, danach gibt es noch ein (optionales) gemeinsames Mittagessen. Wer früh fahren muss, kann sich davon auch etwas einpacken lassen oder mit der Küche ein Lunchpaket vom Frühstücks-Buffet absprechen.
Reflexionsfragen & Aktivitäten-Empfehlungen
In jedem Ausbildungsblock geben wir dir konkrete Empfehlungen für (optionale) Aktivitäten oder Reflexionsfragen für die Zwischenzeiten, um das Integrieren des Gelernten zu erleichtern.
Buddies/Lernpartner*innen
Es gibt die Möglichkeit, eine optionale Lernpartnerschaft mit einer weiteren teilnehmenden Person zu knüpfen, um eine verlässliche Ansprechpartner*in zuhause zu haben.
Themen- oder kontextbezogene Gruppen
Während der Ausbildungsblöcke werden wir einige Übungen und Reflexions-Gespräche in themen- oder kontextbezogenen Gruppen machen, so dass du gemeinsam mit Menschen mit einem ähnlichen Background oder Interessen daran arbeiten kannst.
Austausch über unser Online „Basecamp“
Über unsere gemeinsame Online-Plattform für die Weiterbildungsgruppe ist auch während der Zwischenzeiten Austausch über persönliche und fachliche Fragen möglich.
Wichtig ist ein Integrations-Projekt oder Kontext
Wir bewegen viele Themen und Zutaten für Verbindungskultur während der Ausbildungsblöcke. Erfahrungsgemäß braucht es ein oder mehrere Integrationsprojekte zuhause, wo du (zumindest in Teilen) Gestaltungsspielraum hast, so dass du Stück für Stück direkt ans Adaptieren und Umsetzen gehen kannst.
In den meisten Fällen kann dies auch ein regulärer Arbeits-/Ehrenamts-/Aktivismus-Kontext sein. Falls du gerade noch studierst, dich von Krankheit erholst oder aus anderen Gründen kein geeignetes Projekt schon da ist, kann es helfen, dir ein passendes Mikro-Projekt zum Ausprobieren des Gelernten zu kreieren.
In einem Notfall (beispielsweise bei Krankheit, Unfall, Schwangerschaft) kannst du alle Inhalte über Aufnahmen zuhause nachhören.
Die Übungen kannst du gemeinsam mit deinem „Buddy“ für die Weiterbildung oder auch mit Menschen aus deinem Kontext zuhause auf Basis von unserem Skript für die Veranstaltung nachholen.
Trauerfeuer-Workshops können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, in Ausnahmefällen können nach Absprache auch Ausbildungsblöcke nachgeholt werden.
Indem du dich für die Ausbildung anmeldest schließen wir einen Vertrag über die gesamte Weiterbildung miteinander ab und wir haben relativ strenge Widerrufs-Bedingungen.
Wenn du dir unsicher bist, kannst du gern vorher mit uns auch ausführlicher telefonieren, um deine Entscheidung gut treffen zu können. Wir werden nicht versuchen, dich zu überreden, sondern mit dir gemeinsam abwägen, ob die Weiterbildung gerade passend für dich sein könnte.
Wenn du in der klassischen Trauerbegleitung (beispielsweise im Hospiz-Bereich) tätig sein möchtest, ist unsere Weiterbildung kein formaler Ersatz, aber eine ideale Ergänzung für die Ausbildungen, die vom Bundesverband für Trauerbegleitung angeboten werden. In der Vergangenheit wurde die Teilnahme an unserer Ausbildung auch schon einmal ersatzmäßig für Teile der Bundesverband-Ausbildung anerkannt. Hier lohnt sich ein Nachfragen.
Bei uns kannst du insbesondere folgende ergänzende Inhalte/Skills und Perspektiven erleben und erlernen:
Trauerprozessbegleitung – und dem entsprechend auch ein Großteil der eigentlichen Weiterbildungszeit – braucht viel mitfühlendes und bezeugendes Wahrnehmen und so besteht auch ein großer Teil der Weiterbildung nicht aus Selbstausdruck oder Selbststudium, sondern aus Zuhören und Wahrnehmen. Dies geschieht nicht nur über die Ohren und nicht nur über Worte von anderen Menschen, aber auch. Wir schätzen, dass ca. 70 % der tatsächlichen Unterrichts-Zeiten mit Worten gefüllt sind, manchmal sehr langsamen, ruhigen und manchmal auch sprudelig vielen auf einmal, manchmal zu zweit oder in kleinen Gruppen mit 4-6 Personen, manchmal im größeren Teilnehmendenkreis.
Wir suchen hier immer wieder und fortlaufend eine stimmige Balance in jeder ganz konkreten Gruppe – zwischen den Menschen, die noch viel mehr hören wollen und denen, die mehr Ruhezeit brauchen.
Unser Tipp:
Wenn es dir grundsätzlich sehr schwer fällt, anderen länger als ein paar Minuten zuzuhören, könnte die Herausforderung zu groß werden.
Wenn du von dir selbst weißt, dass du zwischen vielem Zuhören auch Pausen brauchst, können wir hierfür sicherlich einen stimmigen Weg gemeinsam finden.
Unser Ansatz der Trauerarbeit in erster Linie aus jahrelangem praktischem Erleben und Erfahrungslernen erwachsen. Der wesentliche Zugang zum Trauern entstand dabei ganz direkt durch die Arbeit von Sobonfu Somé, die in Burkina Faso in Westafrika aufgewachsen war und zeit ihres Lebens jeweils die Hälfte des Jahres dort lebte.
Mehrere Jahre lang hat Elke diese Rituale mit Sobonfu veranstaltet und zunehmend mitgestalten können. Aus Sobonfu’s Perspektive war Trauer zuzulassen und aktiv zu trauern nicht etwas Optionales, sondern eine immer wiederkehrende Notwendigkeit, um trotz schwerer Verluste weiter mit der inneren Lebendigkeit und auch mit anderen Menschen verbunden bleiben zu können – wie auch als Gesellschaft friedvoll zu handeln.
Nach ihrem Tod in 2017 begannen wir, eigene Wege, Formen und Formate für gemeinschaftliches Trauern zu gestalten und zu kultivieren. Dafür haben wir Elke’s praktische Erfahrungen mit gemeinschaftlichem Trauern und die von Sobonfu Somé inspirierten Perspektiven mit zahlreichen aktuellen Erkenntnissen aus westlicher Psychologie, Neuro-Psychologie und auch westlicher Trauerbegleitungs-Theorie und Praxis verknüpft.
Unser Anliegen ist, aus dieser Verbindung heraus wirklich hilfreiche, trauma-sensible Wege und Formen der Trauerprozessbegleitung für Hier & Heute zu entwickeln und zu praktizieren. Inzwischen konnten wir damit bereits für viele hunderte von Menschen gemeinschaftliche Trauerräume gestalten und schon über 80 Personen in unserem Ansatz von gemeinschaftsbezogener Trauerprozessbegleitung ausbilden.
Sobonfu Somé entwickelte ihre Rituale, die sie für Workshop-Gruppen in Turtle Island/USA und Europa durchführte, eigens für einen westlich geprägten Kontext und hielt von vornherein viele kulturelle Elemente, Sichtweisen, Symbole und Praktiken bewusst zurück. Von 2011 bis zu Sobonfu’s Tod in 2017 war Elke mit dem Circlewise Institut Veranstalterin ihrer Trauerrituale und anderen Angebote hier in Deutschland. Das bedeutete, dass sie neben dem Erleben dieser Praxis auch unzählige Gespräche mit Sobonfu darüber führen konnte, warum sie bestimmte Sachen machte. Meist war Sobonfu zweimal im Jahr für fast zwei Wochen hier bei uns. Dabei verbrachte Elke unzählige Stunden mit ihr, mit Austausch und Fragen darüber, wie wir westlich sozialisierte Menschen allgemein und unsere konkreten Teilnehmenden und die Menschen in unseren großen ehrenamtlichen Teams dabei begleiten könnten, ihre Beziehung zum Trauern, zu Ritualarbeit und letztendlich zum Lebensnetz zu stärken.
Dekoloniale Entwicklung für alle war und ist der Dreh- und Angelpunkt
Im Kern ging es dabei nicht darum, westlichen, meist weißen Menschen ein noch angenehmeres Leben zu ermöglichen. Sondern die Intention hinter Sobonfu’s Wirken hier im Westen war, auf eine Weise das Übel von fortdauernder kolonialer Gewalt an der Wurzel zu packen. Auch Sobonfu’s Heimat war und ist den verschiedenen Formen von kolonialer Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung massiv ausgesetzt. Sie selbst und ihre Ältesten zuhause sahen einen wesentlichen Motor für die vielen offensichtlichen und auch subtilen Varianten dieser Gewalt in dem, was in der eurozentrisch und westlich geprägten Welt weitgehend fehlt: Tiefe und auch emotionale Zugänge zu unserer Mitwelt und zu der Erfahrung von echter Zugehörigkeit und Geborgenheit inmitten von lebendiger, unterstützender Gemeinschaft – und zwar in all unserer Menschlichkeit, so wie wir eben sind.
Die von Teilen Europas ausgehenden gewaltvollen Lügen von Rassismus, “weißer Überlegenheit” und Ausbeutungszwang gegenüber der Natur sind nur wenige Jahrhunderte alt. Ihre bisher kaum zu stoppende Ausbreitung war und ist gekoppelt an die Lebensrealität vieler Menschen, deren Wurzeln zum Land systematisch gekappt wurden oder verkümmert sind. Damit verbunden fehlt auch Erfahrbarkeit für das Eingebundensein in die größere Gemeinschaft des Lebens. Und es fehlt für viele eine liebevolle, bestärkende und gleichzeitig offenherzige, inklusive menschliche Gemeinschaft.
Sobonfu war sehr klar darin, dass nichts von all diesen massiven Verlusten angemessen aufgearbeitet werden könnte ohne gemeinschaftsbezogene Trauerarbeit. Für sie waren gemeinschaftliche Trauerräume eine Voraussetzung für ein friedvolles Verarbeiten von schmerzlichen Lebenserfahrungen allgemein und insbesondere von all den Verlusten, der Scham und der systemischen (seelischen) Gewalt, denen Menschen in westlich-geprägten Kontexten seit vielen Jahrhunderten ausgesetzt sind. Gemeinschaftsbezogene Trauerarbeit sah sie als eine essentielle Zutat, um den sich in fast jeden Winkel der Erde ausbreitenden Kreislauf von (kolonialer) Gewalt zu beenden und ein lebensfreundlicheres Miteinander auf den Weg zu bringen.
Sobonfu’s Perspektiven und ihre Haltung waren von Anfang an sehr prägend für Circlewise. Es war ein großer Segen und letztendlich Glück, dass Elke in dieser Zeit Seite an Seite intensiv und mit viel Austausch rund um alles, was wir gemeinsam machten, von ihr lernen konnte, bis sie 2017 nach schwerer Krankheit verstarb.
Während der Jahre mit Sobonfu konnte Elke selbst mit “Verbindungskultur” viel vom Rahmen, Methoden und zunehmend auch Inhalten rund um Sobonfu’s Rituale gestalten, mit viel emotionaler und tatkräftiger Unterstützung insbesondere von Judith Wilhelm und Julie Langhorne.
Navigieren für Respekt und Gegenseitigkeit
Als weiße Personen von einer Indigenen Lehrer*in zu lernen wirft große und unbequeme Fragen auf. Wie kann ich mit den Erfahrungen, die ich machen konnte, auf eine Weise weitergehen, die Sobonfu’s Kernanliegen würdigt und weiter bestärkt, aber ohne dabei letztendlich doch koloniale Ausbeutung zu wiederholen?
Das ist eine Frage, die unsere Arbeit beim Circlewise Institut beständig begleitet.
Unsere Umgehensweise damit ist bisher folgende:
Wo Redekreise praktiziert werden, wird oft darauf verwiesen, dass Menschen in früheren Zeiten überall auf der Erde in Kreisen zusammengekommen sein müssen. Dies stimmt sicher in vielerlei Hinsicht und es gab und gibt beispielsweise auch auf dem europäischen Kontinent seit vielen Jahrtausenden kreisförmige Versammlungsplätze. Doch die spezifische Form, einen Redegegenstand herumwandern zu lassen, die seit vielen Jahren in unzähligen Kontexten auch in Europa genutzt wird – von Kindergärten bis hin zu weitreichend wirksamen Restorative Justice Projekten – entspringt ganz eindeutig Indigenen Traditionen in Turtle Island/ USA und Kanada und wurde und wird dort von ganz konkreten Personen und Communities gelehrt.
Dies nicht zu benennen bedeutet, Indigenes Wissen und dessen ganz konkrete Einflüsse, nicht zu würdigen, sondern vielmehr unsichtbar zu machen – eine leider immer noch verbreitete Praxis kolonialer Ausbeutung. Durch das Vorenthalten von Sichtbarkeit wird letztendlich auch ein Rückfluss von Anerkennung, Reputation und letztendlich auch materieller Wertschätzung von vornherein verhindert. Dabei sind Redekreis in westlich geprägten Kontexten inzwischen so weit verbreitet, dass selbst kleinste Beträge pro Kreis ein ernst zu nehmendes Einkommen bedeuten würden.
In unseren Trauerkreisen nutzen wir bewusst keine kulturellen Symboliken von Turtle Island Kulturen. Dennoch basiert die Grundform (mit einem Redegegenstand) auf Teilen jenes Wissens, das insbesondere Harold und Phil Gatensby von den Carcross-Tagish and Dahka T’lingit First Nations in den 1970ern bis 1990ern gelehrt haben und heute noch lehren. Die Gatensby’s und einige andere Schlüsselpersonen haben als Überlebende des grausamen Zwangs-Internatsystems nach Wegen gesucht, um das Rechtssystem, das Jugendstrafsystem und auch das Schulsystem so zu verändern, dass die (heute immer noch andauernde) massive rassistische strukturelle Gewalt gegen Indigene Menschen verringert werden kann – die unter anderem dazu führt, dass viele für Kleinstverbrechen über lange Zeiträume in Gefängnissen inhaftiert verbringen müssen.
Hierfür haben sie und andere Lehrende bewusst auch viele nicht-indigene Personen in Turtle Island darin ausgebildet, Redekreise zu leiten, um dadurch unter anderem Gemeinschaft, Zugehörigkeit und friedvolles Bearbeiten von Konflikten zu ermöglichen. Nur deshalb bekamen auch weiße Menschen, wie die Buch-Autor*innen Kay Pranis und der damalige Richter Barry Stuart einen Zugang zu Wissen und Praxis von Kreisen. Zusammen mit Mark Wedge (Carcross/Tagish First Nation) schrieben sie das Buch „Peacemaking Circles – From Conflict to Community“, worin die Anwendung von Redekreisen insbesondere als Teil des Rechtssystems innerhalb Indigener Nationen in Turtle Island detailliert und mit vielen Variationen und Hinweisen beschrieben ist. Auch unser Verständnis von Redekreisen basiert maßgeblich auf diesem Buch.
Würdigung braucht auch Reziprozität
Wir sind der Überzeugung, dass Redekreise, auch mit nur wenigen der ursprünglichen Elementen, dennoch einen großen Wert für unsere Arbeit und sicherlich für alle der vielen westlich geprägten sozialen Kontexte haben, in denen sie heute durchgeführt werden. Weil Wertschätzung mehr braucht, als Worte, geben wir einen Teil unserer Einnahmen zurück nach Turtle Island, konkret zum Native American Rights Fund, der unter anderem die Indigenous Peacemaking Initiative finanziert, welche eine wachsende Zahl von Communities in Turtle Island für Peacemaking Prozesse ausbildet und berät.
Eine auf Gleichwürdigkeit basierende, solidarische Gesellschaft zu gestalten ist für uns eine der beiden wichtigsten Aufgaben unserer Zeit (die andere ist ein lebensnährender Umgang mit unserer Mitwelt).
Wir sehen dies als einen kollektiven Prozess an, für den alle Menschen gebraucht sind.
Denn viele von uns sind in einer zutiefst ungleichen Gesellschaft sozialisiert, wodurch wir verschiedene Diskriminierungsformen internalisiert haben. Durch unser dadurch geprägtes verzerrtes Wahrnehmen, Denken und Verhalten reproduzieren wir diese oft unbewusst. Die dadurch entstehenden Muster von Dominanz und Menschenfeindlichkeit immer wieder bewusst abzubauen und allmählich zu ersetzen sehen wir als wichtigen Teil dieses Prozesses.
Seit einigen Jahren befinden wir uns auch als Organisation hier im Lernprozess, hinterfragen uns selbst immer wieder und suchen uns Unterstützung von Fachpersonen, wie beispielsweise der Expertin für Antirassismus und Machtkritik Evein Obulor, die aktuell uns und bei Bedarf auch unsere Teilnehmenden mit Supervision unterstützt und begleitet.
Hier kannst du unser kontinuierlich weiterentwickeltes Awareness-/Antidiskriminierungskonzept lesen.
* Ausbildungsblock 1: 10. bis 14. März 2027 (im Seminarhaus Lindenhof)
* Ausbildungsblock 2: 05. bis 09. Mai 2027 (Seminarhaus Lindenhof)
* Ausbildungsblock 3: 13.-17. Oktober 2027 (Seminarhaus Lindenhof)
* sowie zwei Trauerfeuer-Workshops im Seminarhaus Schloss Bettenburg (mögliche Termine: 27.-31.07.2026, 25. – 29.11.2026 oder 24.-28.11.2027)
3.790 € Normalpreis (=151 € pro Seminartag)
3.090 € Reduzierte Kursgebühr für Geringverdienende (begrenzte Anzahl verfügbar, frühe Anmeldung empfohlen)
3.990 € Solidarpreis – damit unterstützt du, dass auch weniger privilegierte Personen teilnehmen können
Insgesamt zwei Trauer-Workshops sind in dieser Kursgebühr inkludiert. Die Preise sind zuzüglich Unterkunft & Verpflegung. Hier geht es zu den Preisen vom Seminarhaus Lindenhof, Haus Ebersberg und Schloss Bettenburg.
Oft bezahlen Arbeitgeber*innen für diese Ausbildung oder geben einen Zuschuss – Nachfragen lohnt sich!
Unser Preissystem dient dazu, nach dem Solidarprinzip strukturell benachteiligten Personengruppen den Zugang zu unseren Weiterbildungen zu erleichtern. Willst du unbedingt teilnehmen, aber stehst vor einer finanziellen Hürde? Melde dich gern bei uns, dann suchen wir gemeinsam nach einem Weg, beispielsweise über eine Ratenzahlungsvereinbarung.
Für Menschen aus gesellschaftlich besonders diskriminierten Bevölkerungsgruppen vergeben wir zusätzlich eine begrenzte Anzahl an Reparations-Freiplätzen:
Für gerechtere gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht unser RISE Fonds für BIPoC, Jüd*innen, Sinti*zze und Rom*nja sowie für Trans*Personen eine kostenlose oder stark vergünstigte Teilnahme an unseren Bildungs-Veranstaltungen.
RISE steht für Reparation, Involvement/Teilhabe, Solidarität und Empowerment und der Fonds ist eine ganz konkrete Strategie um mit vereinten Kräften mehr gesellschaftliche Teilhabe und Gestaltungskraft für historisch und aktuell marginalisierte Bevölkerungsgruppen auf den Weg zu bringen.
Hier über unser Spendentool kannst du direkt und unkompliziert mit einer Spende unterstützen.
Wenn du zu einer dieser Personengruppen gehörst, melde dich gern bei uns, denn für die meisten Veranstaltungen vergeben wir mehrere Reparations-Freiplätze oder stark vergünstigte Teilnahmeplätze.
Mit unserem Wirken stehen wir dafür ein, historisch entstandene Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung in all ihren offensichtlichen und subtilen Erscheinungsformen sichtbar zu machen, in uns selbst und innerhalb der Gesellschaft, und wir streben danach, Räume zu kreieren, um diese aufzuarbeiten – für mehr Sicherheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Zugehörigkeit für alle.
Hierfür bewegen wir uns in einem fortlaufenden Lern- und Entwicklungsprozess und freuen uns über Kritik, Anregungen und Feedback.
Das Seminarhaus Lindenhof ist ein wunderbar ruhiger Ort, auf einer Hochebene von etwa 900m Höhe gelegen, mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet. Der Lindenhof ist ein Einzelanwesen mit lauschigen Plätzchen im weitläufigen Gartengelände und Obstwiesen. Ausgehend vom Luftkurort Möhringen am Rande der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald über dem Tal der jungen Donau gelegen führt ein 3 km langer ansteigender Waldweg raus aus dem Alltag und dem Himmel ein Stück näher.
Alle Mahlzeiten stammen aus der hauseigenen vegetarisch-biologisch-regionalen Küche, viele Lebensmittel kommen direkt aus dem Garten hinterm Haus.
Die Teilnahme an der Weiterbildung kann keine therapeutische Begleitung ersetzen.
Wenn du das Gefühl hast, unter Angstzuständen, Depressionen oder anderen schwer auszuhaltenden seelischen Zuständen zu leiden – wisse, du bist nicht allein!
Hilfe bekommst du bei zugelassenen Psychotherapeut*innnen, beispielsweise den hier im Verzeichnis aufgeführten Personen, vielleicht auch in deiner Region: https://www.somatic-experiencing.de/traumatherapeuten-finden/
In dringenden Fällen kannst du dich auch direkt an ein psychiatrisches Krankenhaus wenden oder den Notruf 112 wählen. Auch die Telefonseelsorge ist 24 Stunden kostenlos erreichbar (auch anonym): (0800) 1110111 oder (0800) 1110333 (für Kinder/Jugendliche)
Im Internet: www.telefonseelsorge.de
Rafael Heygster
Rafael HeygsterCirclewise Leadership & Facilitation