Unsere Werte
Unsere Werte sind teilweise in Fragen formuliert – damit eine immer wieder neu fragende Grundhaltung es uns erleichtern kann, auch angesichts beständig wechselnder Umstände, unsere Werte im Blick zu behalten und auf eine jeweils passende Weise umzusetzen.
Einander ein Zuhause schenken
Wir sind alle Menschen – und damit auch verletzlich. Wie können wir uns mit unserer vermeintlichen Schwäche zeigen und einander trotzdem das Gefühl ermöglichen: Hier bist du voll und ganz zugehörig und zuhause!
- Wie können wir alle körperlichen und seelischen Zustände willkommen heißen, allen Gefühlen und Emotionen einen Platz einräumen, so dass sie fühlbar und integrierbar sein können?
- Auf welche Weisen können wir jeden Menschen jeden Tag immer wieder neu grundsätzlich willkommen heißen, ehren und würdigen – egal welchen Alters, welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welcher geschlechtlichen Identität, welcher Vorerfahrung – einfach weil dieser Mensch am Leben ist?
- Wie können wir insbesondere Menschen aus historisch unterdrückten und diskriminierten Communities (LGBTQ+, BIPOC, Menschen mit körperlichen oder seelischen Besonderheiten) so willkommen heißen sowie deren Bedürfnisse so wahrnehmen und erfüllen, dass auch sie sich bei uns wohl und zuhause fühlen können?
- Wie können wir echte Zugehörigkeit erfahrbar machen, in dem wir auch unsere Unterschiedlichkeit anerkennen und sie sogar aktiv würdigen, damit niemand sich verleugnen muss, um dabei sein zu können?
- Tabu: Wir verhindern fremdenfeindliche, rassistische, geschlechterfeindliche, kinderfeindliche, ableistische oder anderweitig herabwürdigende Aussagen und diskriminierendes Verhalten aktiv.
Hier findest du unser Antidiskriminierungskonzept.
Gleichwürdigkeit & Soziale Gerechtigkeit
Lehrende und Lernende können beide voneinander lernen. Keine Person sollte mehr wert sein als eine andere.
- Wie können wir einladen, fördern und begünstigen, dass Menschen in allen Lern- und Kompetenzbereichen über uns als Lehrende hinauswachsen?
- Wie können wir ganz praktisch Teilnahme und Mitwirken für Menschen ermöglichen, die historisch und aktuell diskriminierten Bevölkerungsgruppen angehören?
- Was braucht es von uns als raumhaltenden Personen, damit diese Menschen sich während ihres Dabeiseins in unseren Kreisen wohl, sicherer und in ihrer Gleichwürdigkeit bestärkt und ermächtigt erleben können?
- Wie können wir innerhalb unserer Organisation und Projekte zunehmende Teilhabe von marginalisierten Menschen begünstigen – und damit einhergehend echte Gestaltungsmacht und ein Teilen unserer Privilegien?
Aktive Nächstenliebe & friedvolles Miteinander
Eine Ausrichtung auf friedvolles Miteinander ist Teil all unserer Veranstaltungen. Wie können wir aktive Einigkeitsprozesse für die jeweiligen Gruppen und deren verschiedene Kleingruppen begünstigen?
- Auf welche Weisen können wir aktiv einen regulierten, entspannten Nervensystemzustand in uns selbst fördern und füreinander begünstigen?
- Wie können wir Konflikte und die ihnen zugrunde liegenden Bedürfnisse und Gefühle willkommen heißen – und einen sicheren, passenden Raum dafür gestalten, so dass sie ausgedrückt und genutzt werden können, um gemeinsam neue Erkenntnisse, Lösungen und eine gestärkte Verbindung zu finden?
- In unseren Konflikten streben wir Einvernehmen an und suchen uns bei Bedarf Unterstützung durch klärende Gespräche mit Dritten. Falls keine vollständige Einigung möglich ist, suchen wir Einvernehmen über Teilaspekte. Wie können wir uns Zeit nehmen, Konflikte auch langsam und mit Abstand zu betrachten?
- Wie können wir sicherstellen, dass Verbindungskultur ein wesentlicher Teil all unserer Veranstaltungen ist – egal zu welchem Thema und in welchem Kontext?
- Wir behalten das Wohlergehen der anderen im Auge. Auch wenn jede Person für sich selbst verantwortlich ist: Wie können wir einander je nach eigenen Möglichkeiten wirklich hilfreich und effektiv unterstützen – mit Fürsorge, liebevollem Beistand, Zuhören, Empathie, Humor und hilfreichen Fragen?
- Statt zu kritisieren sammeln wir mögliche Upgrades – gemeinsam und als ein Fest des Lernens. Denn eines ist sicher: Egal wie wunderbar etwas läuft, es gibt immer eine Antwort auf die Frage: Was würden wir beim nächsten Mal anders machen?
- Wir wertschätzen das demokratische System und demokratische politische Institutionen als gesellschaftlichen Rahmen für unser Leben und Wirken.
- Tabus:
- Wir setzen uns aktiv gegen jegliche Form von demokratiefeindlichen Aussagen und Haltungen ein.
- Wir wissen um die gefährliche Dynamik von Verschwörungsnarrativen und handeln aktiv gegen die Verbreitung von Falschinformationen (zu Themen wie Klimawandel, Migration, Impfen u.a.).
- Aussagen, die NS-Diktatur, Holocaust sowie andere diktatorische Regime verharmlosen, dulden wir nicht – ebenso wenig jegliche andere Form von rechtsextremem Gedankengut.
- Wir dulden keine Hassrede, Aufrufe zu Gewalt oder Legitimation von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen – auch nicht gegen Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen, Journalist*innen und andere öffentliche Personen oder Personengruppen.
Respekt vor allem Leben
- Wie können wir achtsam und respektvoll mit anderen Kulturen umgehen und die weltweite Bewegung für Dekolonisation aktiv und deutlich unterstützen? Wie können wir über Indigene Traditionen, Kultur und ihr Weltverständnis auf eine Weise lernen, die nicht ausbeuterisch ist – sondern diese Kulturen stärkt und deren Anliegen für die Erde und ihre Menschen unterstützt?
- Auf welche Weisen können wir Informationen, Geschichten, Lieder und andere Kulturschätze zugänglich machen, so dass die Originalstimmen gehört und verbreitet werden – und deren Einfluss und Gestaltungskraft dadurch wachsen kann?
- Statt Geschichten aus First-Nations-Kulturen nachzuerzählen: Welche Originalquellen können wir zur Verfügung stellen – durch Buchempfehlungen, Vorlesen, Audioaufnahmen – um den Kulturen selbst eine Stimme zu geben?
- Wie können wir kulturelle Aneignung auch in anderen Bereichen konsequent vermeiden? Als Lehrende nutzen wir klare, persönliche und transparente Formulierungen rund ums Weitergeben von Gelerntem, statt allgemeine Aussagen über Kulturen zu treffen.
- Wir singen nur Lieder, deren Sprache wir selbst verstehen und sprechen können – damit wir die Bedeutung nicht nur oberflächlich begreifen, sondern mit wirklicher Tiefenschärfe.
- Wie können wir noch mehr Anteil am Schicksal Indigener Kulturen heute nehmen – und mit einem Teil unserer Arbeit Projekte fördern, über die Indigene Communities auch finanziell unterstützt werden?
- Auf welche Weisen können wir ebenso respektvoll mit der Kultur umgehen, die uns hier umgibt – mit der westlichen Mainstream-Kultur, beispielsweise mit der christlichen Religion?
- Wie können wir so handeln, dass wir Ressourcen sparen oder sogar bei ihrer Regeneration mitwirken – dem Motto folgend: Leave it better than you found it?
- Wir nutzen ausschließlich Bio-Lebensmittel mit hohem Anteil an regionalen und saisonalen Produkten. Jede Ernährungsform respektieren wir und machen für keine Werbung.
- Tabu: Lieder und Geschichten aus anderen Kulturen, die wir nicht auf eine wirklich tiefgründige Weise verstehen – aufgrund intensiver persönlicher Erfahrungen in dieser Kultur und mit dieser Sprache – geben wir nicht in unsere Kreise und Veranstaltungen. Wenn Teilnehmende Lieder mit unbekannter oder vager Bedeutung einbringen, fragen wir nach und ermutigen, den Spuren nachzugehen. Oft kommen dabei interessante Geschichten zutage.
Bodenständigkeit & Rechtschaffenheit
Ein Hauptanliegen, ein Grundbedürfnis und eine große Freude für uns ist es, hilfreich zu sein – unserer Mitwelt und den Menschen um uns herum, im Kleinen wie im Großen.
„Hilfreich“ ist dabei das, was die anderen als hilfreich empfinden: Was ist wirklich gebraucht – und wie können wir das ermöglichen oder selbst tun?
Projekte unterstützen wir um der Projekte willen, nicht primär weil wir selbst darin eine bestimmte Rolle innehaben.
Wir achten auf die Hebelwirkungen unseres Tuns: Was hat mit dem wenigsten Aufwand die meisten positiven Auswirkungen? Wenn wir nicht alles machen können, konzentrieren wir uns auf das.
Wir lernen und probieren das, was wir weitergeben, selbst aus – bevor wir es weitergeben. Je ausführlicher, tiefer und intensiver, desto besser.
Wissenschaftlichkeit ist uns wichtig. Wir informieren uns über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse rund um unsere Themen und ergänzen unseren Wissensfundus entsprechend. In unsere Recherchen beziehen wir insbesondere durch Peer-Review-Prozesse erreichten wissenschaftlichen Konsens ein. Wir machen die Herkunft und damit auch die Verlässlichkeit unserer Informationen transparent und geben unsere Quellen an.
Es ist uns bewusst, dass wir insgesamt immer noch erst sehr wenig wissen – und wir gehen transparent und demütig mit dieser Tatsache um. Unser Wissen und unsere Sichtweisen gleichen wir immer wieder mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gesellschaftlichen Diskursen ab. Dabei hören wir insbesondere auf die Stimmen Indigener und anderer marginalisierter Bevölkerungsgruppen.
Wir hören insbesondere auf die Kritik von nicht-weißen Menschen – egal auf welche Weise sie vorgebracht wird. Wir erkennen an, dass unser eigenes Handeln und unsere Sichtweisen stark geprägt sind von internalisiertem Rassismus und kolonialen Denkmustern, und dass wir unglaublich viel zu lernen haben.
Wir setzen uns mit unserem Weißsein kritisch auseinander und suchen uns Unterstützung dafür, die dabei auftauchenden unangenehmen Emotionen – wie Scham oder Angst – zu verarbeiten.
Auf wessen Schultern stehen wir? Wessen Leben und Wirken hat unsere Ideen und Methoden überhaupt erst denkbar für uns gemacht?
Traditionelles Indigenes Wissen – soweit es uns zugänglich ist – behandeln wir als gleichwertig zu mit westlichen Standards erforschtem Wissen.
Tabus:
- In der westlichen Welt entstandene Inhalte oder Sichtweisen, die sich in wissenschaftlichen Studien als falsch erwiesen haben, vermitteln wir nicht weiter.
- Wir dulden keine Werbung für Produkte, deren Herstellung mit Ausbeutung oder Diskriminierung einhergeht, oder die betrügerische, nicht haltbare Heilsversprechen machen.
- Als Gastlehrende laden wir nur Menschen ein, deren Arbeit den Circlewise-Werten nicht entgegensteht.
- Wir weisen Kritik von nicht-weißen Menschen nicht zurück, sondern nehmen sie ernst als Hinweis auf blinde Flecken in unserem eigenen Denken und Handeln.
Dankbarkeit & Wertschätzung
Wann und wie können wir für uns selbst und unsere Teilnehmenden die Aufmerksamkeit immer wieder so ausrichten, dass ein Gefühl von Dankbarkeit entstehen kann?
Auf welche Weisen können wir andere Menschen mit einem wertschätzenden, würdigenden Blick betrachten und unsere Aufmerksamkeit auf die unzähligen Beiträge und Qualitäten jeder Person richten?
Wie können wir Ausschau halten nach bisher unentdeckten oder nicht gewürdigten Beiträgen?
Auf welche Weisen können wir einander immer wieder Gelegenheiten ermöglichen, von uns selbst zu schenken – insbesondere auch unseren Teilnehmenden?
Tabu: Wie können wir vermeiden, uns selbst oder andere auf ein Podest zu stellen und damit statt Vorbilder „Celebrities“ zu erschaffen?
Autonomie & Schaffenskraft
Wie können wir in allen unseren Verbindungen und gemeinsamen Projekten den Fokus auf authentische Commitments fördern – das heißt, einander die Freiheit geben, Commitments einzugehen und (in Absprache) wieder zu lösen, wenn sie nicht mehr authentisch sind? Damit wissen wir: Wenn jemand von uns etwas macht, steht diese Person auch wirklich dahinter.
Alles, was zwischenmenschlich und im Rahmen dieser Arbeit gegeben wird, ist ein Geschenk. Wie können wir uns dessen bewusst bleiben, dass nichts, was wir von jemand anderem bekommen, selbstverständlich ist – ob praktische Aufgaben, Empathie oder Aufmerksamkeit?
Werden unsere Erwartungen enttäuscht – wie können wir es schaffen, nicht in Forderungen und Vorwürfen zu verharren, sondern unserer Trauer ins Auge zu sehen, Empathie zu suchen und uns in Selbstmitgefühl zu üben? Innovation entsteht oft durch abrupte Veränderungen: Wie können wir uns daran erinnern, dass das Leben es gut mit uns meinen kann – auch wenn mal alles anders kommt?
Wie können wir die vielen anderen Commitments ehren, denen jede Person von uns außerhalb dieses Kreises nachkommt – sie als gleichwertig oder sogar wichtiger anerkennen?
Auf welche Weisen können wir Sprache einladend und Möglichkeiten eröffnend benutzen – nicht von oben herab verteilend, nicht manipulativ oder suggestiv, sondern einfach einladend? Formulierungen wie „Ich würde mich freuen, wenn…“ erinnern daran, dass es eine Wahl gibt – dass autonomes Entscheiden willkommen ist.
Wie können wir vermeiden, einander zu loben (was Abhängigkeiten erzeugen würde) – und uns stattdessen in persönlicher Wertschätzung üben: „Ich habe mich gefreut über…“ statt „Das hast du toll gemacht!“?
Lebensförderliche, egalitäre Spiritualität
Die Erde und alles, was darauf lebt, sind für uns beseelt. Wie kann uns unsere Mitwelt heilig werden – und wie können wir mit ihr auf eine lebensförderliche Weise umgehen?
- Wie können wir die Beziehung zu unserer Mitwelt – deren Teil wir als Menschen sind – in alle Themen einbeziehen?
- Wie können wir unser Bewusstsein für unseren menschlichen Platz innerhalb des gesamten Lebensnetzes entwickeln und stärken?
- Auf welche Weisen können wir Gelegenheiten und Räume für einen intensiv erlebbaren, persönlichen Kontakt mit der Mitwelt kreieren – aus dem innige und von Fürsorge geprägte Beziehungen zu Orten und ihren Lebewesen erwachsen können?
- Wie können wir unsere ganz persönlichen Zugänge zu all dem Unfassbaren im Leben kultivieren und unser Tun und Sein daraus nähren?
- Wie können wir die spirituellen Praktiken, Rituale und Sichtweisen anderer Menschen in all ihrer Vielfalt achten, würdigen und bekräftigen?
Familien & Generationenfreundlichkeit
Wie können wir aktiv Paarbeziehungen und andere Nahbeziehungen achten, würdigen, stärken und unterstützen – egal welchen Geschlechts – sowie auch Kleinfamilien und wachsende Großfamilienstrukturen (mit Wahltanten und -onkels usw.)?
Wenn möglich öffnen wir Veranstaltungen für Kinder und Babies und stellen dabei sicher, dass sie eine umfangreiche Betreuung erfahren können – oder dass betreuende Freunde und Familienmitglieder mit dabei sein können.
Wie können wir älteren Menschen Zugänge zu unseren Veranstaltungen ermöglichen und sie dabei in ihrer Lebenserfahrung würdigen?
Humor, Lebendigkeit, Authentizität und Spiel
Humor ist Lebenskraft und schafft Verbundenheit. Wie können wir in unseren Veranstaltungen jede sich bietende Gelegenheit für Scherze, Witze und Heiterkeit nutzen?
- Wie können wir Lebendiges mit in den Kreis holen – auch räumlich: Blumen, Naturfundstücke, Kinderkram, Spielzeug, irgendetwas Albernes, Tiere, Feuer, Wasser?
- Auf welche Weisen können wir bei unseren Veranstaltungen dem Spielen und Spielerischen Raum schenken?
- Wie können wir unsere Fehlerfreude stärken? Wenn’s mal daneben geht – wie können wir selbst und alle anderen viel daraus lernen?
- Auf welche Weisen können wir – abgestimmt auf den jeweiligen Kontext – Ausprobieren, Forschergeist und Vergnügen an Überraschungen einladen?
- ALOK Vaid-Menon erinnert uns daran, dass Selbstausdruck und Spiel keine Extras sind – sie sind Überlebensstrategien, besonders für Menschen, deren Sein von gesellschaftlichen Normen eingeschränkt wird. Echte Räume der Lebendigkeit sind heilsam und emanzipatorisch.
- Tabu: Kein Humor auf Kosten von marginalisierten oder diskriminierten Menschen.
Entwicklung & Reifen
- Wie können wir immer weiter dazulernen, uns austauschen, gemeinsam reflektieren und Neues in unser Wirken integrieren?
- Wann und wie können wir uns Zeit nehmen für tiefes Reflektieren und fürs Integrieren vom Erlebten und Gelernten?
- Wie können wir uns vor und zwischen Veranstaltungen und neuen Projekten Zeit nehmen, unsere Ausrichtung und Intentionen zu stärken?
- Welche Menschen außerhalb von Circlewise schenken unserer Arbeit Halt, Orientierung und Inspiration durch ihr Sein und Wirken? Wie und in welchen Formen geben wir diesem Austausch Raum und Gelegenheit?
Möchtest du mehr darüber erfahren, wie wir diese Werte in die Praxis umsetzen und welche Zutaten unserer Arbeit auch in deinem persönlichen oder beruflichen Kontext Verbindungskultur erfahrbar machen könnten?